Wer braucht schon eine ganze Speicherstadt? In Erfurt reicht ein einziger Speicher für das große Vergnügen! Seit der Eröffnung im Jahr 2013 verbrachte ich zahllose Freitag- und Samstagabende mit dem »Speichern«, wie es der Erfurter liebevoll nennt.

Der »Speicher« hat seinen Namen von seiner ehemaligen Funktion als Lagerraum für Vorräte diverser Gastronomiebetriebe. Was im ersten Moment auf Rustikalität hindeutet, ist keine x-beliebige Schänke, in der gutbürgerliches Essen serviert und Bier in Humpen auf den Tisch kommt. Einmal den samtig-roten Vorhang hinter dem altertümlichen Scheunentor durchwandert, entfaltet sich vor den Augen das wahre Erfurt – liebevoll und künstlerisch. Eine wohlige Wärme umgarnt jeden neu eingetroffenen Gast, schummriges Licht fällt auf das dunkle Fachwerk an den Wänden, das elegante Klavier auf dem Podest in der Ecke mit dem hoheitlichen Kerzenleuchter. Der massive Holztresen ist stets mit frischen Rosen oder Tulpen dekoriert. Rings herum buntes Treiben, das man in der faszinierenden Speicherwelt fast immer findet. Man raucht, man trinkt, man lacht und man lauscht der gemütlichen Jazzmusik, die von Künstlern der Region live gespielt wird.

An so manchem Wochenende trifft man im Speicher die Kultfiguren und Stars der Stadt. Etwa dann, wenn »Mensa-Jürgen« seine Schallplatten aus den Achzigern auflegt und das Gespräch sucht – ganz gleich, ob ihm sein Gegenüber bekannt ist oder nicht. Oder wenn »Clueso« urplötzlich mit seiner Gitarre aus der Menge aufsteht und ein Liedchen trällert. Aber auch bislang Unentdeckte finden im Speicher ihren Platz: In den oberen beiden Etagen gibt es ständig wechselnde Ausstellungen verschiedener lokaler wie auch internationaler Künstler zu bewundern. Mit der Weißweinschorle in der Hand erkundet man die Kunstwerke in der Speicher-Galerie. Dabei kommt man schnell mit Anderen ins Gespräch und fühlt sich selbst als Neuling bald wie zuhause.

Für warme Tage hält der Speicher den paradiesischen Hinterhof – den schönsten der Stadt – bereit, bei eiskaltem Wein und einem Blick auf das bewachsene Fachwerk, sitzt der Erfurter hier gerne auch mal länger. Sobald es dunkel wird, schmücken hübsche Windlichter die Tische und wenn die Zeit gekommen ist, dann treten zahlreiche Drahtesel über die Kopfsteinpflasterstraße der märchenhaften Waagegasse in alle Himmelsrichtungen den Heimweg an.

Gut zu wissen

Speicher, Waagegasse 2, 99084 Erfurt, www.speicher-erfurt.de. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 15 bis 2 Uhr, Sa. – So. 14 bis 2 Uhr. Anreise: Haltestelle Fischmarkt/Rathaus, Straßenbahn (Linien 3, 4, 6), von da sind es wenige Meter zu Fuß.

 

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Der Speicher – die Seele der Stadt 50.978388, 11.029771 Waagegasse 2, 99084 Erfurt (Routenplaner)