von Gastautor Roland Senft

Der Bauamtsleiter von Leinefelde-Worbis ist schon seit 1986 in der Leinefelder Stadtplanung tätig:

In den ersten Jahren nach der »Wende« lag der Fokus in der Stadtentwicklung auf der Sanierung der jahrzehntelang vernachlässigten Dörfer und Altstädte. Aber in Leinefelde wohnten zur »Wende« circa 90 Prozent der Bewohner, untypisch für das Eichsfeld, in sogenannten Block- und Plattenbauten. Mit dem Niedergang der DDR-Industrie kehrten viele der durch den Eichsfeldplan nach Leinefelde gekommenen Bürger in ihre Heimatregionen zurück oder fanden Arbeit im Westen. Schnell wurde klar: Wenn man den Leerstand in diesem Gebiet nicht eskalieren lassen möchte braucht es kreative Ideen, Entwicklungspläne und Förderregularien auch für Städte wie die unsrige.

Als die stadtentwicklungspolitischen Leitlinien in Thüringen Mitte der Neunzigerjahre dann so weit waren, dass auf lokaler Ebene gehandelt werden konnte, initiierten wir in Leinefelde einen Architekturwettbewerb, der zur Initialzündung wurde für eine Entwicklung, die in Ostdeutschland bis heute beispielhaft – und vielleicht sogar einzigartig – ist. Über die eingereichten Wettbewerbsvorschläge waren wir selbst überrascht. Wer hätte gedacht, was man aus diesen Gebäuden so alles machen kann! Und da das Land entsprechende Förderungen bereitstellte, konnten die Vorschläge auch umgesetzt und dabei die Vielfalt der Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Da wurden Grundrisse verändert und Räume und Balkone vergrößert, unten wurden Gartenzugänge und oben Maisonettewohnungen geschaffen, hier einzelne Geschosse und dort gleich ganze Häuser rückgebaut.

So viel Gestaltungswille blieb nicht lange unentdeckt. Fachexkursionen von Stadtplanern und Studenten fanden schnell den Weg nach Leinefelde und im Jahr 2000 war die Stadt gemeinsam mit Jena und Weimar dezentraler Standort der Expo in Hannover. Im Infopavillon am zentralen Platz kann man sich in einer Ausstellung über die Stadtentwicklung informieren.

In Leinefelde gelang es, eine sozialistische Arbeiterstadt für heutige Wohnansprüche umzugestalten. Natürlich war nicht immer alles einfach und bauliche Maßnahmen lassen sich leichter umsetzen als die Gestaltung eines neuen Images. Aber spätestens seit am Rand der ehemaligen Großwohnsiedlung moderne Eigenheime entstehen wurde klar: Wir sind auf dem richtigen Weg!

Gut zu wissen

Infocenter zum Stadtumbau und Obereichsfeldhalle, Zentraler Platz, 37327 Leinefelde-Worbis, www.leinefelde-worbis.de. Der Zentrale Platz ist ein guter Ausgangspunkt für einen architektonischen Stadtspaziergang.

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Plattenbauten neu gedacht - Stadtumbau in Leinefelde-Worbis 51.383671, 10.328807 Zentraler Platz 2, 37327 Leinefelde-Worbis (Routenplaner)