von Gastautor Tobias Schulz

Der Autor ist Heimatforscher. Sowohl seine Großmütter als auch ein Onkel und eine Tante arbeiteten in der in seinem Heimatort Gerbershausen ansässigen Zigarrenfabrik, die sowohl zum VEB Zigarrenfabriken Dingelstädt als auch zum VEB Nortak (Nordhausen Tabak) gehörte:

Seit 1992 betreibt die Johann Wilhelm von Eicken GmbH mit Stammsitz in Lübeck den letzten Standort der Tabakindustrie im Eichsfeld, lange Zeit bekannt unter dem Namen Tabakhaus Dingelstädt. Die Geschichte dieses für das Eichsfeld prägenden Industriezweigs reicht weit zurück. Bereits 1910 eröffnete die Berliner Zigarrenfirma J. Neumann in der Dingelstädter Riethmühle eine kleine Sortiererei und zwei Jahre später nahm man hier die Zigarrenproduktion auf. Ab 1922 fand die Produktion dann im neu entstandenen Werk in der Birkunger Straße statt. Allerdings nicht nur dort, sondern auch in zahlreichen dörflichen Filialbetrieben im gesamten Eichsfeld. In der NS-Zeit ging die Neumann AG, einst gegründet von Jehuda Neumann, dann im Zuge der Verdrängung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben an die Gildemann Zigarrenfabriken AG über. Der Name Gildemann wurde nach der Enteignung zum Kriegsende vom neu geschaffenen VEB zunächst auch beibehalten. Bereits 1945 startete man in Dingelstädt wieder mit der Produktion, dazu in acht dörflichen Filialbetrieben.

1956 waren es dann neunzehn Filialen, weitere kamen noch hinzu. In den dörflichen Betrieben schlug auch das eigentliche »Herz« der Produktion, denn hier wurden die Zigarren gedreht.

Im Dingelstädter Hauptbetrieb wurden sie dann sortiert, gepresst und anschließend versandfertig gemacht. Waren es 1949 noch rund 28 Millionen Zigarren, die produziert wurden, so kam man 1965 bereits auf 190 Millionen Stück. Die Zigarrenfabriken Gildemann standen somit an erster Stelle in der DDR.

Im Jahr 1961 entledigte man sich schließlich des Namens Gildemann und der Betrieb hieß fortan VEB Zigarrenfabriken Dingelstädt. Nach der »Wende« wurde zunächst die Tabak-Haus Dingelstädt GmbH als Treuhandbetrieb gegründet, bevor nach einigen wirtschaftlichen Turbulenzen die Firma Von Eicken den Betrieb übernahm. Bis heute werden dort alle Von-Eicken-Zigarren und -Zigarillos hergestellt, da es »neben dem Eichsfeld kaum eine andere Region in Deutschland gibt, in der Zigarrenexperten so zahlreich zu Hause sind«, wie die Unternehmenswebsite mitteilt.

Gut zu wissen

Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20, 99734 Nordhausen, www.nordhausen.de/kultur/museen, Tel. +49 (0)3631 982737. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 17 Uhr. Anreise: Bahnhof Nordhausen, Regionalbahn, weiter 15 Min. zu Fuß.

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Eichsfelder Genuss-Tradition – die Dingelstädter Tabakindustrie 51.502464, 10.791774 Bäckerstraße 20, 99734 Nordhausen (Routenplaner)