Etwa ein halbes Jahrhundert nach Erfindung des europäischen Porzellans in Sachsen (1709) wurde das »weiße Gold« in Thüringen nacherfunden. Zunächst ein Wettstreit von zwei Protagonisten, führte die kleinstaatliche Enge Thüringens bald zu einer Vielzahl von Gründungen in den verschiedenen Herrschaftsgebieten.

Nahezu gleichzeitig forschten um das Jahr 1760 zwei Parteien zum Herstellungsprozess von Porzellan. In Sitzendorf im Thüringer Wald laborierte Georg Heinrich Macheleid. Der Theologe mit naturwissenschaftlichen Neigungen forschte seit den 1750er-Jahren mit verschiedenen Tonmassen. 1762 gründete er gemeinsam mit seinem Landesherrn und weiteren Teilhabern eine Porzellanmanufaktur in Volkstedt im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt.

Damit hatte er seine Konkurrenten, den fürstlichen Hütteninspektor Johann Wolfgang Hammann und den Glashüttenbesitzer Gotthelf Greiner, ausgestochen. Diese arbeiteten nach anfänglicher Konkurrenz zusammen und gründeten in Walldorf, im benachbarten Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld, im Jahr 1764 ebenfalls eine Manufaktur. Gothelf Greiner und andere Mitglieder der Glasmacher-Familie gründeten später weitere Betriebe oder beteiligten sich als Finanziers, zum Beispiel in Limbach 1772 – nach Beendigung der Zusammenarbeit mit Hammann – oder 1783 in Rauenstein.

Ein Grund für die Vielzahl an Manufakturen in und um den Thüringer Wald war das politische System mit 30 selbständigen Herrschaften. Die Fürstenhäuser brauchten solvente Unternehmer, um die kleinen Staatskassen mit Steuergeldern zu füllen und um den herrschaftlichen Wunsch nach Porzellan zu befriedigen. Daher förderten sie den neuen Industriezweig mit Privilegien (Exklusivrechten zur Herstellung), finanziellen Beteiligungen oder durch die Bereitstellung von Rohstoffen. Die naturräumlich bedingte Verfügbarkeit von Ton, Sand und Holz zum Brennen war ein weiterer Faktor, der zum Aufschwung der Porzellanindustrie in der Region führte.

Das von der Macheleidschen Gesellschaft 1762 in Volkstedt etablierte Unternehmen existiert bis heute: Die »Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur«. In dem umgebauten Fabrikgebäude aus dem 18. Jahrhundert befindet sich heute die »gläserne Porzellanmanufaktur«. Hier arbeiten noch weitere historische Thüringer Porzellanhersteller und fertigen vor allem Figuren und Wohninterieur. Die Schauwerkstatt und das Werksmuseum können besichtigt werden.

Gut zu wissen

Gläserne Porzellanmanufaktur, Breitscheidstraße 7, 07407 Rudolstadt, www.glaeserneporzellanmanufaktur.eu, Tel. +49 (0)3672 480215. Werksführungen nach Vereinbarung. Anreise: Bahnhof Rudolstadt (Thür), Regionalbahn, weiter mit dem Bus bis Haltestelle Volkstedt Kirche.

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Wirtschaftspolitik im 18. Jahrhundert – Porzellan aus den Thüringer Kleinstaaten 50.709990, 11.321570 Breitscheidstraße 7, 07407 Rudolstadt (Routenplaner)