Thüringen ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein dicht besiedeltes Land. Das Gros der Einwohner der hiesigen Kleinstaaten lebt in Dörfern deren Struktur sich über viele Generationen kaum verändert hat. Die Menschen sind in traditionelle Dorfgemeinschaften mit einer auf Selbstversorgung basierenden Wirtschaftsweise eingebunden.

Im Laufe der nächsten 100 Jahre vollzieht sich ein tiefgreifender politischer und ökonomischer Wandel, welcher sowohl das soziale Gefüge der Menschen in den Dörfern als auch das Arbeitsleben grundlegend verändert.

Die absolutistischen Kleinstaaten müssen sich liberalisieren und werden 1871 Teil des Deutschen Reiches. Die massiv wachsende Bevölkerungszahl erzwingt einen Modernisierungsschub in der Landwirtschaft. Bestehende Produktionsstätten wandeln sich mit der Kraft der Dampfmaschinen zu Industriebetrieben. Die Thüringer Glashütten, Bergwerke oder Porzellanfabriken und neue Heimarbeitsplätze in der Textil- und Spielzeugherstellung verändern nicht nur die Städte sondern, wenn auch verzögert, vor allem die Dörfer.

Das Museum für Thüringer Volkskunde stellt diesen Epochenumbruch mit seinen Auswirkungen auf das Alltagsleben der Menschen im ländlichen Raum in mehreren Ausstellungen dar: Mittelpunkt ist die 2001 eröffnete Schau »erfahren. verändern. beharren. Dorfleben im 19. Jahrhundert«.

Verschiedene Blickwinkel auf »das Dorf« im Zeitalter der Industrialisierung verdeutlichen sich auf Fotos und in Objekten aus allen Lebensbereichen: Themen sind unter anderem Bildung, Glaube, Gesundheit, Ernährung, Handel, aber auch das Familienleben sowie Traditionen und Bräuche. Zusammengenommen mit der Betrachtung der sich wandelnden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in dieser Zeit, ergibt sich ein historisches Gesamtbild vom Dorfleben in der Epoche, als sich Thüringen von einer Agrargesellschaft zu einem damals hochmodernen Industriestandort in Deutschland entwickelte.

Zum Themenjahr 2018 »Industrialisierung, Industriekultur und soziale Bewegungen« plant das Museum das Ausstellungsprojekt »Schneller? Weiter? Besser? Industriegeschichte(n) aus Thüringen«. Mit 15 Fallbeispielen sollen die Folgen der industriellen Revolutionen aufgezeigt und eine Brücke in unser Jahrhundert geschlagen werden zu den netzbasierten Informations- und Kommunikationstechnologien. Geplanter Ausstellungsstart ist im November 2018.

Gut zu wissen

Museum für Thüringer Volkskunde, Juri-Gagarin-Ring 140A, 99084 Erfurt, www.volkskundemuseum-erfurt.de. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 18 Uhr, Führungen nach Voranmeldung. Anreise: Haltestelle Stadtmuseum/Kaisersaal, Straßenbahn (Linien 1, 5). Das Begleitheft zur Dauerausstellung ist im Museum und im Handel erhältlich: »erfahren. verändern. beharren. Dorfleben im 19. Jahrhundert« (Marina Moritz, Erfurt 2015).

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Thüringer Dorfleben zur Zeit der Industrialisierung 50.981853, 11.035413 Juri-Gagarin-Ring 140A, 99084 Erfurt (Routenplaner)