von Gastautorin Heidi Pinkepank

Die Kulturwissenschaftlerin untersuchte die Baugeschichte des heutigen KUNSTPavillons:

Die frühere Ausstellungshalle der Automobilwerke Eisenach liegt auf halber Strecke zwischen den Hinterlassenschaften des Auto-Produktionsstandortes und der historischen Wartburg aus dem 11. Jahrhundert. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude ein KUNSTPavillon, in dem Ausstellungen gezeigt werden und wo Veranstaltungen stattfinden.

Der 1991 noch nach DDR-Denkmalpflegegesetz unter Schutz gestellte, und 2005 wieder aus der Thüringer Denkmalliste gestrichene Bau, wurde nach Beinahe-Abriss, Nutzung als Kartbahn und Leerstand durch den heutigen Betreiber 2007 wiederentdeckt. 2013 erfolgte die Wiederaufnahme in die Denkmalliste. Als Repräsentant der DDR-Architektur wirkt der Flachbau wie ein Fremdkörper neben der benachbarten Kuranlage, der Wandelhalle und dem Südviertel mit seinen Gründerzeitvillen. Und doch gab eine Recherche zur Bauhistorie ganz besondere Einsichten.

Nach dem großem Erfolg der AWE-Ausstellung auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1966 sowie in Vorbereitung der 900-Jahrfeier der Wartburg und der 70. Jahrfeier des Automobilwerkes, sollte in Eisenach ein repräsentativer Ort für die Geschichte des Produktionsstandortes entstehen. Als Architekt wurde Günther Werrmann für die Projektierung und Gestaltung verpflichtet. Er arbeitete als freier Messearchitekt und hatte Erfahrungen bei der Bauhaus-Schülerin Karola Bloch gesammelt.

Als Eröffnungsdatum war der 7. Oktober 1967, der 18. »Tag der Republik«, gedacht. Die Genehmigungsverfahren und Baumaßnahmen mussten entsprechend innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen werden. Unter anderem durch persönliche Beziehungen des Architekten, aber auch durch Aufträge während des Sonderbauprogramms »Berlin – Hauptstadt der DDR«, konnte der Pavillon innerhalb weniger Monate errichtet werden. Um die Baugeschwindigkeit weiter voranzutreiben, wurden Prämien wie beispielsweise Auspuffanlagen für den Wartburg, an die beteiligten Firmen geliefert.

Mit nur drei Wochen Verspätung konnte am 28. Oktober 1967 die neue Ausstellung in der Wartburgallee 47 eröffnen. Bereits in den ersten vier Monaten wurden über 18.000 Eintrittskarten verkauft. Noch heute sind die meisten Bauteile des Pavillons sowie die Inneneinrichtung im Original erhalten.

Gut zu wissen

KUNSTPavillon, Wartburgallee 47, 99817 Eisenach, www.kunstpavillon.info, Tel. +49(0)3691 724366. Öffnungszeiten: Do. – So. 11 bis 17 Uhr, Eintritt: 3 €. Anreise: Bahnhof Eisenach, Fern- und Regionalbahn, weiter 12 Min. zu Fuß.

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Der Wartburgpavillon Eisenach – eine Wiederentdeckung 50.969892, 10.324963 Wartburgallee 47, 99817 Eisenach (Routenplaner)