von Gastautor Thomas Wey

Der studierte Landwirt engagierte sich bereits in den 1980er Jahren in der Umweltgruppe der Universität Leipzig und ist seit 1994 beim BUND Kreisverband Schmalkalden-Meiningen aktiv:

An der hessisch-thüringischen Landesgrenze erhebt sich weithin sichtbar ein kegelförmiger weißer Berg: »Monte Kali« wird die gigantische Abraumhalde im Volksmund genannt. Nicht lange nachdem Justus von Liebig in den 1840er-Jahren durch seine Entdeckung, dass Pflanzen wichtige anorganische Nährstoffe in Form von Salzen aufnehmen, den Grundstein für die moderne Agrochemie legte, begann der Abbau des begehrten Rohstoffes im Werratal. Und schon bald wurden auch die mit dem Bergbau einhergehenden Umweltprobleme deutlich: 1911 trafen sich nachweislich die regionalen Herzöge erstmals, um über die Versalzung des Flusses und das daraus resultierende Artensterben zu diskutieren.

Zu DDR-Zeiten waren Kalisalze ein Exportschlager und wichtiger Devisenbringer. Die Abwässer wurden so wie sie anfielen in den Fluss geleitet und Umweltschäden dabei billigend in Kauf genommen. Das Wasser floss ja sowieso in den Westen ab, dachten sich damals wohl die SED-Oberen. Nach der »Wende« wurde ein bereits 1942 festgelegter Grenzwert von 2.500 mg Chlorid-Ionen pro Liter Wasser reaktiviert. Ist dieser Wert erreicht, müssen die flüssigen Abfallprodukte zwischengelagert werden. Etwa die Hälfte davon wird außerdem in den Untergrund verpresst, was zu einer Versalzung des Trinkwassers führt. Wir beobachten nach wie vor enorme Schäden an Flora und Fauna, ab Philippsthal ist der Fluss quasi tot. Annähernd natürliche Verhältnisse könnten erst ab einem Grenzwert von 800 mg/l wiederhergestellt werden. Die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie, nach der bis spätestens 2027 ein »guter ökologischer Zustand« der Oberflächengewässer herzustellen sei, könnten wohl nur durch den Bau einer Pipeline zur Nordsee erreicht werden.

Etwa zwei Kilometer von der Werra entfernt kontrastiert der spektakuläre Blick auf die Abraumhalde mit der Idylle des Naturschutzgebietes Dankmarshäuser (Thür.) bzw. Obersuhler (Hessen) Rhäden, das als Teil des »Grünen Bandes« auf dem ehemaligen Todesstreifen der innerdeutschen Grenze liegt. Nach der »Wende« konnte hier dann zusammenwachsen, was zusammengehört.

Gut zu wissen

Naturschutzgebiet Rhäden, Rhädenrundweg, 99837 Dankmarshausen, www.dankmarshausen.de/rhaden.html. Der Rhäden, wichtiges Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten, ist mit Wanderwegen, Aussichtstürmen, Infozentrum und einem Lehrpfad gut erschlossen. Anreise: Haltestelle Dankmarshausen, Bus (Linien 52, 330).

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Dankmarshäuser Rhäden – Idylle mit Blick auf die Abraumhalde 50.938635, 10.018158 Rhäden-Rundweg, 99837 Dankmarshausen (Routenplaner)