Beim Blick auf Fotos aus DDR-Zeiten von der Gegend um Ronneburg sind die spitz zulaufenden Abraumkegel nicht zu übersehen. Heute sind sie verschwunden, genauso wie die Fördergerüste der Schachtanlagen und auch die »Wismut« – das einstige deutsch-sowjetische Uran-Bergbauunternehmen.

Geblieben sind – neben kleinen Souvenirs wie Grubenlampen und Flaschen voller »Kumpel-Tod«, Deputatschnaps und grobem Werkzeug – nur die Erinnerungen der früheren Bergleute. Jahrzehnte der Ausbeutung der Uran-Lagerstätten unter Ronneburg haben ihre Spuren in der Landschaft und bei den Menschen hinterlassen: Schweißtreibende und gefährliche, zuweilen tödliche Arbeit unter Tage und härteste Bedingungen. All dies sieht und hört man bei einer Führung durch das »Schaubergwerk Uranbergbau WISMUT«. Hier führen ehemalige Kumpel durch das kleine Museum voller Objekte. Trotz der Fülle versucht das Museum, die umfangreiche Geschichte von Arbeit, Technik, Alltag und großer Politik hinter der »Wismut« anschaulich zu vermitteln. Die Wände des labyrinthischen Ausstellungsraumes zitieren den Holzausbau der Schächte und Stollen, überall steht gestern noch gebrauchtes Gruben-Gerät, das mit dem Ende des Uran-Bergbaus 1990 überflüssig wurde und damit heute Müll oder Artefakt ist.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Suche der sowjetischen Besatzer nach der »Pechblende«. Der Uran-Hunger der Sowjets folgte der Logik des Kalten Krieges, man war gegenüber den USA nach deren Atombombenabwürfen auf Japan ins Hintertreffen geraten. Zeitweise bis zu 130.000 Arbeiter beschäftigte die »Wismut« in Thüringen und Sachsen, davon auch tausende aus der Sowjetunion. Ronneburg war nach Förderumfang die wichtigste Erz-Lagerstätte. Die Kumpel waren junge Männer, bereit sich unter Tage mit Gestein und Plansoll zu messen. Erst lockten Privilegien wie Lebensmittelmarken und Obdach. Dann nach dem Ende der Nachkriegsnot die hervorragende Bezahlung, Urlaub in Zinnowitz und ein Auto ohne Wartezeit. Schattenseiten der Arbeit im Großbetrieb waren die Verrohung, der Alkohol und die Gewalt – so beschrieben von Werner Bräunig in seinem Roman »Rummelplatz«.

Mit der Expo 2000 erfolgte die »Revitalisierung der Uranerzbergbaufolgelandschaft Ostthüringen«. Die Sanierung des »Wismut«-Erbes ließ die »Neue Landschaft Ronneburg« entstehen. 2007 kam die Bundesgartenschau. Heute spazieren hier Touristen.

Gut zu wissen

Bergbauverein Ronneburg e.V., Bahnhofstraße 2, 07580 Ronneburg, www.bergbauverein-ronneburg.de, Tel.: +49 (0)36602 34115, Öffnungszeiten: Mi.-So. 10 bis 16 Uhr. Anreise: Bahnhof Ronneburg (Thür), Regionalbahn.

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»Ich bin Bergmann, wer ist mehr?« – Uran-Bergbau bei Ronneburg 50.861170, 12.183260 Bahnhofstraße 2, 07580 Ronneburg (Routenplaner)