von Gastautorin Antje Thiel

Antje Thiel ist die Ururenkelin des »Zeha«-Gründers Carl Häßner (1862-1935) und Urenkelin des Hohenleubener Sportschuhfabrikanten Carl Häßner (1893-1974):

Die über 120 Jahre alte Marke »Zeha« geht auf eine 1897 von Carl Häßner in Weida gegründete Schuhfabrik zurück. Die eigentliche Geschichte der »Zeha«-Sportschuhfabrik begann 1946 in Hohenleuben, mit einem mit Hilfe der Sowjetischen Militäradministration realisierten Neubau für 200 Arbeitskräfte, Thüringens erstem Industrieneubau nach dem Zweiten Weltkrieg. 1955/56 folgte die Spezialisierung auf Sportschuhe. Fußballstiefel, Trainingsschuhe und Schuhwerk für die Leichtathletik wurden in über 30 Länder exportiert. Die ersten Fußballstiefel mit Nockensohlen und schraubbaren Stollen und der leichteste Rennschuh der Welt wurden hier entwickelt. Die Serienfertigung begann wegen Materialmangels jedoch später als bei »Adidas«.

Prominente Träger waren der Sprinter Enrique Fiquerola Camuè aus Kuba –Silbermedaillengewinner im 100-Meter-Lauf bei Olympia 1964 in Tokio, die sowjetische Fußballnationalmannschaft mit Lew Jaschin und Igor Netto als Europameister 1960 und die DDR-Fußballnationalmannschaft bis 1976 mit Jürgen Sparwasser. Rudi Glöckner trug als bisher einziger deutscher Schiedsrichter »Zeha«-Schuhe, beim WM-Endspiel Brasilien gegen Italien 1970. Auch Speerwerferin und Olympiasiegerin Ruth Fuchs (1972, 1976) und der bisher einzige deutsche Olympiasieger im Stabhochsprung (1972) Wolfgang Nordwig trugen »Zeha«.

Seit der Enteignung 1972 hieß die Firma VEB Spezialsportschuhe Hohenleuben. Das international geschützte »Zeha«-Warenzeichen mit zwei Doppelstreifen blieb weiterhin das Logo. Mit der Enteignung wurden auch alle Patentrechte dem VEB übertragen. Bis 1992 wurden über 200.000 Paar Sportschuhe jährlich hergestellt.

Trotz großer Beliebtheit schaffte die Schuhfabrik nach Mauerfall und Privatisierung den Anschluss an den Markt nicht. Innerhalb weniger Jahre verschwand die Marke von den Sportplätzen und schließlich aus den Köpfen.

Heute ist »Zeha« wieder da – als Manufaktur, die mit hochwertiger Lederarbeit dem Zeitgeist gerecht wird: Alexander Barré rettete die Schuhmarke 2003 in die Gegenwart. Von Berlin aus vermarktet »Zeha« sportives Schuhwerk wie früher. Als echte Leder-Sneaker sind die Sportschuhe wieder zurück auf den Straßen – ein erfolgreiches Comeback der ehemaligen Thüringer Marke.

Gut zu wissen

Museum Reichenfels zu Hohenleuben – Daueraustellung zur Sportschuhproduktion, Reichenfels 1a, 07958 Hohenleuben, www.museum-reichenfels.de, Tel. +49 (0)36622 83349 / 7102. Im Jahrbuch Nr. 62 des Museums ist die gesamte Zeha-Schuhgeschichte von 1897 bis 2017 zu lesen. Anreise: Bahnhof Hohenleuben (Regionalbahn), Fußweg 8 Minuten, vorbei an der alten Zeha Schuhfabrik (denkmalgeschützt, heute in privater Hand).

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Der »Zeha«-Sportschuh aus Hohenleuben – zwei Doppelstreifen mit Geschichte 50.707930, 12.039340 Reichenfels 1A, 07958 Hohenleuben, Deutschland (Routenplaner)