von Gastautor Tobias Kühnel

Der Autor ist Kunsthistoriker und hat im Rahmen seines Volontariats einen Teil der Ausstellung zur Möbelindustrie in Zeulenroda gestaltet:

Bei einer älteren Dame in Triebes habe ich die Schrankwand »Saalburg« entdeckt. Das Möbel befindet sich jetzt in der Dauerausstellung des Städtischen Museums Zeulenroda. Aus meiner Sicht steht dieses Stück stellvertretend für die Entwicklung der Möbelindustrie in Zeulenroda-Triebes ab den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren:

Dem Aufstieg Zeulenrodas zum Zentrum der Möbelproduktion und Großindustrie der ehemaligen DDR, ging eine lange Geschichte voraus. Sie beginnt gegen Mitte des 18. Jahrhunderts bei den vogtländischen Strumpfwirkern. Die Herstellung der hölzernen Strickmaschinengestelle bildete die Grundlage des Zeulenrodaer Kunstmöbelbaus. 1886 begann in der Stadt, mit dem Einsatz einer Dampfmaschine der Tischlerwerkstatt Robert Paul, die Industrialisierung. Neben Paul begründete die Firma Edwin Metz den Ruf Zeulenrodas als »Stadt der Wertmöbel« und machte diese international bekannt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden weitere Kunstmöbelfabriken. Ein wichtiger Einfluss kam hinzu: die Sachlichkeit im Design. Die schweren Löwenprankenfüße wichen einfachen Linien.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten mehrere Betriebe für die Rüstungsindustrie. Sie lieferten u. a. Holzskelette für Flugzeugflügel. Nach dem Krieg wurden zahlreiche Firmen – auch der Möbelindustrie – enteignet. 1959 fand in Zeulenroda die Zentrale Möbelwerker-Konferenz statt, die den Aufbau der DDR-Großindustrie einleitete.

Die Zeit nach der »Wende« war sehr turbulent und schnelllebig: Ein rasanter Wechsel von Geschäftsführern und mehrere Insolvenzen führten zum Ende der industriellen Möbelproduktion in Zeulenroda.

Die Geschichte der Möbelindustrie hat das Stadtbild ebenso geprägt wie die Menschen vor Ort. Fast jeder war persönlich mit ihr verbunden. Mit der Schrankwand »Saalburg« und anderen Möbeln aus 1980er-Jahren wollen wir nun auch diesen Teil der Geschichte in einem neu gestalteten Ausstellungsbereich des Stadtmuseums einfangen.

Gut zu wissen

Städtisches Museum Zeulenroda, Aumaische Str. 30-32, 07937 Zeulenroda-Triebes, www.zeulenroda-triebes.de, Tel.: +49 (0)36628 64135. Öffnungszeiten: Di. – Fr. 9 bis 16 Uhr, Do. 9 bis 18 Uhr, So. und feiertags 13 bis 16 Uhr. Museums- und Stadtführungen sowie eine Rathausturmbesichtigung können im Museum angefragt werden. Anreise: Haltestelle Markt Zeulenroda-Triebes, Bus (Linie 25).

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Zeulenroda und die Geschichte der Stadt der Wertmöbel 50.650799, 11.978154 Aumaische Straße 30, 07937 Zeulenroda-Triebes (Routenplaner)