Wir stehen vor einem riesigen Industriedenkmal, einer ganzen Fabrik. Das Besondere: Noch zu Betriebszeiten wurde die Zuckerfabrik Oldisleben 1989 aufgrund des historischen und gut erhaltenen Fabrikgebäudes und ihrer zum Teil über 100 Jahre alten technischen Anlagen, auf die regionale Denkmalliste gesetzt.

Die letzte »Zuckerrübenkampagne«, so wird die Zeiteinheit während der Verarbeitung bezeichnet, wurde 1990/91 mit allerlei, damals schon längst historischen Geräten, »gefahren«. Über 6.600 Tonnen »Raffinade«, also Weißzucker wurden so produziert. Danach drohte die Schließung. Die »Wendezeit« und mit ihr ein veränderter Markt, neue Technologien und Konkurrenz hatten das Industriedenkmal als Produktionsort vollends überflüssig gemacht. Nach der Stilllegung wäre sicher der Abriss erfolgt. Lokales Engagement eines Fördervereins in Kooperation mit dem neuen Eigentümer Südzucker AG und ein offenes Ohr seitens der Denkmalbehörde konnten das verhindern und uns so eine bis heute intakte und begehbare Produktionsanalage als technisches Denkmal offen halten.

Die Geschichte der Zuckerfabrik Oldisleben beginnt schon vor ihrem Bau mit einer Zuckersiederei 1836. Die brennt ab und wird wieder aufgebaut, wird verkauft und ist schon recht bald veraltet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts steigt der Zuckerverbrauch, so wird 1872 die Firma Röhrig & König mit der Errichtung einer neuen Fabrik beauftragt. Infolge des 1. Weltkriegs 1914 kommt die Zuckerindustrie nicht mehr voran. Für die Fabrik wertvolle Kupferrohre müssen ausgebaut und durch Eisenrohre ersetzt werden. Da die Zahl der Arbeitskräfte sinkt, werden Kriegsgefangene eingesetzt. Die Produktion in der Zwischenkriegszeit und bis nach dem Zweiten Weltkrieg stagniert. Erst 1948 geht es wieder aufwärts, als die Zuckerfabrik in Volkseigentum übergeht. Bei einer Tagesleistung von 600 Tonnen Rüben und einer Dauer von 121 Kampagne-Tagen, wird 1954 die stolze Zahl von 58.000 Tonnen Rüben verarbeitet. Die Arbeitsleistung der Maschinen und Mitarbeiter stieg stetig.

Deren Verdienst durch gute Pflege und der Mangel an Investitionen zu »DDR-Zeiten«, ließen die längst veraltete Zuckerfabrik als »eingefrorenes« und voll funktionstüchtiges Stück Technik überleben – Balancier-Dampfmaschine, Schwungrad, Einzylinder-Dampfmaschine, der Doppelkegel-Kalkofen. Hier gibt es die Vorfahren unserer heutigen Technik zu bestaunen!

Gut zu wissen

Zuckerfabrik Oldisleben, Esperstedter Straße 9, 06578 Oldisleben,www.suedzucker.de/de/Unternehmen/, Tel. +49 (0)34673 91206. Führungen finden von Mai bis Oktober auf Anfrage statt. Anreise: Vom Bahnhof Heldrungen, von dort ca. 30 Min. Fußweg.

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Die Zuckerfabrik Oldisleben – Vergangenheit mit Zukunft 51.311530, 11.172191 Esperstedter Straße 9, 06578 Oldisleben (Routenplaner)