Steigt man in Sondernach aus der Schwäbischen Alb-Bahn, fallen dem Besucher zuerst zwei Dinge auf: Das kleine Bahnhofshäuschen, liebevoll bestückt mit frischen Blumen und das kleine Haus mit den drei Türen gegenüber dem Bahnhof. Über der linken Tür steht groß »Rathaus«, über der mittleren »Backhaus« und über der rechten, etwas größeren »Feuerwehr«. Doris Holzschuh ist seit 2009 Ortsvorsteherin in Sondernach und die erste Frau in diesem Amt. Wir haben uns mit ihr über die Besonderheiten von Sondernach unterhalten:

Sie sind 2009 das erste Mal durch die Tür mit der Bezeichnung »Rathaus« getreten?

Mein Vorgänger führte mich durch den Raum im Obergeschoss. Hier tagte damals der Ortschaftsrat. Ich fragte, wo denn die Toilette sei. Es gab keine! Die Männer kommen damit eher zurecht, aber ich war die erste und einzige Frau damals in dem Kreis. Dann wurde die Schule geschlossen und ich sah die Chance. Wir haben die Räume der Schule in Eigenarbeit renoviert und kurze Zeit später sind wir mit dem Rathaus dorthin gezogen. Heute ist das Kameradschaftszimmer der Feuerwehr in dem alten Raum und einen Toilettenanbau gibt es auch.

Die Sondernacher haben ihren ehemaligen Bahnhof wieder reaktiviert?

Anlass war ein Ereignis mit dem damaligen Lammwirt. Als die Bahn noch regulär in Sondernach hielt, musste man im Gasthaus Lamm gegenüber dem Bahnhof die Fahrkarten kaufen. Später hielt die Bahn nicht mehr. An einem Himmelfahrtstag bewirtete der Lammwirt eine illustre Wandergruppe, stark angeheitert wollten sie nicht mehr nach Hause laufen. Da holte der Lammwirt Mütze und Kelle seines Vaters raus, stellte sich auf den verwilderten Bahnsteig und hielt den Zug an. Er hat dann ziemlich Ärger bekommen, aber die Idee war bei den Sondernachern ebenso wie bei der Schwäbischen Alb-Bahn geboren: Wir stellen den Bahnhof wieder her. Das war noch vor meiner Zeit als Ortsvorsteherin, aber es zeigt, was ich täglich hier erfahre: Wenn man die Leute hier unterstützt, dann wird das daraus. Neben einem Ortrundgang kann man von hier aus tolle Wanderungen in der Umgebung machen.

Gut zu wissen

Sondernach, 89601 Schelklingen (OT Sondernach). Das Toilettenhäuschen im ehemaligen Rathaus ist bei Veranstaltungen auch für Besucher geöffnet. Im Ort gibt es einen Weg, der durch die Geschichte der selbstorganisierten Wasserversorgung der Sondernacher führt. Anreise: Haltestelle Sondernach, Schwäbische Alb-Bahn.

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Das Haus mit den drei Türen – Sondernach an der Schwäbischen Alb-Bahn 48.367521, 9.620000 Sondernach, 89601 Schelklingen (OT Sondernach) (Routenplaner)