ScottyScout im Gespräch mit Heinz Lermann

Zusammen mit sechs Partnern gründete Heinz Lermann 1973 die Freie Planungsgruppe 7, ein Büro für Stadtplanung und Architektur. 1989 gewann er mit seinem Büro den 1. Preis zur Umgestaltung des Marienplatzes:

1987 gab es in Stuttgart einen Kongress für Architektur und Städtebau. Auf diesem Kongress hat Heinz Lermann ein paar Visionen für die Zukunft des Stuttgarter Südens eingebracht: Darunter fanden sich beispielsweise Wasserläufe für eine verkehrsberuhigte Möhringer Straße oder auch der Umbau des Marienplatzes als Stadtplatz. Mit Stadtplatz meinte er einen zentralen urbanen Freiraum, einen unbebauten Platz, auf dem sich Menschen treffen, Kaffee trinken, spielen und gemeinsam feiern.

Einige werden den Marienplatz noch kennen als einen Platz mit verwilderten Bäumen, dazwischen Müll, Drogen und Alkohol. Meine eigenen Kinder mussten auf dem Weg zu Schule den Platz immer durch die schmuddelige Fußgängerunterführung queren. Der Stuttgarter Süden ist eigentlich eine Kleinstadt mit über 40.000 Einwohnern. Ein offener Platz für das gemeinsame Leben der Bürgerinnen und Bürger fehlte aber.

Trotz der Ausschreibung eines Wettbewerbs und dem 1. Preis geschah erst mal gar nichts und die Pläne verschwanden wieder in der Schublade. Es war dann ungefähr zehn Jahre später, als Baubürgermeister Matthias Hahn anrief und nach den Plänen fragte, das Gartenbauamt wolle ein paar Änderungen vornehmen. So kam der Stein erneut ins Rollen. Über 19 Ämter und Behörden saßen auf einmal gemeinsam an einem Tisch, auch die Stuttgarter Verkehrsbetriebe waren mit dabei und einverstanden – trotz der 4 Mio. Euro, die allein die Verlegung der Schienen der Zahnradbahn mit sich bringen würden. Und wie das bei Neugestaltungen so ist: Bisher Gewachsenes musste Neuem weichen. Zum Teil wild gewachsene Bäume wurden zugunsten des neuen Freiraums gefällt, zwei Platanen blieben vor dem Kaiserbau stehen. Rund um den neuen Platz wurden 50 rote Kastanien gepflanzt, die heute den Platz wie einen grünen und rot blühenden Gürtel umfassen.

Ursprünglich sollte in der Mitte des freien Platzes ein Karussell stehen – so wie in Frankreich – mit einem älteren Ehepaar, das Eis verkauft. Aus der Idee des Karussells wurde ein Café, das aber etwas auf sich warten ließ und so bewegte Heinz Lehrmann die BW-Bank, im Kaiserbau Räumlichkeiten für Gastronomie freizugeben. Aus dem Marienplatz ist inzwischen ein wahrer Freiraum im Stuttgarter Süden geworden – bunt und belebt.

Gut zu wissen

Marienplatz, 70178 Stuttgart. Im Kaiserbau direkt am Marienplatz befinden sich eine Eisdiele, eine Pizzeria und weitere Cafés. Anreise: Endhaltestelle Marienplatz, Zahnradbahn.

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Ein freier Platz für das bunte Leben – der Marienplatz im Stuttgarter Süden 48.764207, 9.168461 Marienplatz, Stuttgart, Deutschland (Routenplaner)