Als ich das erste Mal hier mit dem Kanu durchgepaddelt bin, wusste ich gar nicht, dass ich in Venedig war, Neu-Venedig genau genommen. Ein Bekannter klärte mich auf, als ich ihm von dem verwunschenen Gartenparadies erzählte. Durchzogen mit Wasserstraßen der Müggelspree, liegt diese Laubenkolonie am südlichen Rand Berlins.

Auf diesem Stück Land stand ehemals inmitten von Sumpfwiesen das Rittergut Rahnsdorf. In den 1920er Jahren wurde ein Bebauungsplan für eine Freizeitkolonie erstellt. Neu-Kamerun wurde sie getauft, allerdings schon bald in Neu-Venedig umbenannt, das konnten sich die Leute leichter merken. Der Preis von ursprünglich 2 Reichsmark pro Quadratmeter stieg schnell auf 3,50 Reichsmark an. In den 1930er Jahren bei Berlinern ein beliebter Flecken für das Wochenendhaus, damals. Das entdeckten in der Zeit der DDR auch Stasi- und Partei-Funktionäre und hinterließen bis nach der Wende einen entsprechenden Stallgeruch.

Heute finden auf dem Landweg wenig Besucher ihren Weg hierher. Die Siedlung sieht von außen auch nicht sehr attraktiv aus, ein Neubaugebiet, wie es so viele in den Berliner Randgebieten gibt. Erst wenn man über den Rialotring in die Nebengassen auf den acht Inseln läuft, bekommt man einen anderen Einblick. Allerdings gibt es für Besucher vom Land her nur eine Stelle mit Zugang zum Wasser: Die Gaststätte Neu Venedig am Kanal II. Etwas wirklich Besonderes ist es, die fünf Kanäle und 13 Brücken mit dem Kanu zu erkunden. Da gleitet man vorbei an alten windschiefen Gartenhäuschen aus Holz, verwunschenen Paradiesen im Zentrum der Kolonie und streng geschnittenen Rasenkanten neu errichteter Villen im Außenring. Letzterer ist für die Bebauung freigegeben. Diese Unterschiede stören die Enten wenig, die in kleinen Gruppen auf dem Wasser paddeln. Ab und zu steht ein Reiher an der Wasserkante.

Mitunter ist etwas viel Verkehr auf den Hauptkanälen, unter den niedrigen Brücken der Nebenkanäle passen die breiten Motorboote aber nicht hindurch. Wenn es dann im Herbst etwas kühler wird, nimmt auch dieser Verkehr ab. Ein weiterer Geheimtipp: Die Kanäle frieren im Winter fast immer zu, das Wasser ist nicht sehr tief. Sie eigenen sich deshalb gut zum Schlittschuhlaufen – von Neu-Venedig nach Neu-Amsterdam.

Gut zu wissen

Bei 13Kanus.de, Am Küstergarten 18, 12589 Berlin (Rahnsdorf), Tel. +49 (0)162 4850310, www.13kanus.de, gibt es Kanus (2er-Canadier) für 10 € für die erste Stunde, 5 € ab der zweiten Stunde, 29 € pro Tag. Eine schöne Tagestour, auch mit Kindern (Schwimmwesten!) geeignet, führt vom Bootsverleih in Rahnsdorf Richtung Erkner durch Neu-Venedig um den Dämeritzsee und wieder zurück. Anreise: Mit der S-Bahn bis Haltestelle Rahnsdorf, von dort weiter mit dem Bus (Linie 161) bis Haltestelle Gründender Weg.

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Bis zur Rasenkante in Neu Venedig 52.431176, 13.709339 Finkenweg 12589, Berlin, Deutschland (Routenplaner)