Der Rasenmäher des älteren Herrn im Kirchgarten schnurrt. Der Motorenlärm der Autos auf der B101 füllt die Luft. Beide Geräusche passen wenig zu dem mittelalterlichen Bau der evangelischen Dorfkirche in Langennaundorf, einem Ortsteil der Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück. Der Elster-Radweg führt hier ganz in der Nähe vorbei und der Hunger veranlasst mich zu einem kleinen Abstecher bei der Ortschaft München (die heißt tatsächlich so!) in Richtung Langennaundorf. Der Anblick des schlichten Fachwerkturms der Dorfkirche mit barockem Dachaufsatz lässt mich den Hunger vergessen und die Kamera zücken.

Der Rasenmäher verstummt und der dazu gehörende Herr winkt mir, ihm zu folgen. Es ist purer Zufall, dass ich dieses Kleinod dörflicher Kirchengeschichte entdecke. Im Turm stehe ich der kleinen Glocke aus dem Jahr 1488 gegenüber. 1715 wurde die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche komplett im barocken Stil umgebaut. Im Laufe der Geschichte verlor die kleine Glocke ihrer Funktion. Jetzt hängt sie still im Erdgeschoss des Turms.

Und dann öffnet sich die Türe zum Innenraum der Kirche. Ich hole erst mal tief Luft. Auf kleinstem Raum offenbart sich ein Jahrhunderte altes Zentrum dörflichen Gemeindelebens. Jeder Quadratzentimeter ist bemalt oder beschrieben. Da sind Plätze reserviert für die »Maria Lehmannin« und »Martha Bäuerin« – unten saßen die Frauen, oben die Männer, wie mir mein Kirchenführer erklärt. Das tonnenartige Dach verlängert den Blick entlang aufgemalter Emporen hin zu einer Trinitätsdarstellung, reichlich unterstützt durch Engel. Alles ist sehr barock, die zurückhaltenden Farben und der unaufgeregte Ort am Kreuzungspunkt zweier befahrener Landstraßen dämpfen jedoch wohltuend den Überschwang der Formen.

Ich frage mich, wie und wann die Kirche evangelisch wurde – genaue Zahlen dazu finden sich nur spärlich: Diese Gegend ist früh mit der Reformation in Berührung gekommen. Während der Pestepidemie 1506 kam die Wittenberger Universität in das nahe gelegene Herzberg – da waren es noch zehn Jahre hin zum Thesenanschlag des Doktor Luther. Schon 1522 wurden in Herzberg protestantische deutschsprachige Gottesdienste abgehalten. In einer Akte aus dem Jahr 1531 wird die Gemeinde Langennaundorf erwähnt – einer der Visitatoren war Martin Luther selbst.

Gut zu wissen

Dorfkirche von Langennaundorf (Elbe-Elster), Kreuzungspunkt der B 101 Berlin-Dresden und der L 60 Finsterwalde-Falkenberg, 04938 Uebigau-Wahrenbrück. Für eine Besichtigung nach dem Vorsitzenden des Gemeinderates in der Nähe der Kirche herumfragen. Kontakt Pfarramt Uebigau: +49 (0)35365 8291, www.kirche-uebigau.de. Anreise mit dem Rad: 2,3 km ab Abzweig München auf dem Elsterradweg zwischen Bad Liebenwerda und Herzberg (Elster).

Weitere Informationen zur Kirche: www.altekirchen.de/Archiv/Langennaundorf.htm

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Ein Kleinod dörflichen Kirchenlebens in Langennaundorf 51.604691, 13.340321 Dorfstraße, Langennaundorf, Uebigau-Wahrenbrück, Elbe-Elster, Deutschland (Routenplaner)

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