An einem sommerlichen Tag im Mai starte ich im Dorf Bresch zu einer Fahrradtour durch das Ruhner Land. Die alten Backstein- und Fachwerkhäuser mit ihren Bauerngärten ordnen sich ringförmig um die Kirche und den Dorfteich. Diese Struktur wird mir heute noch oft begegnen. Früher hatten die typischen Runddörfer slawischen Ursprungs nur einen einzigen Zugang. So waren sie in kriegerischen Zeiten leichter zu verteidigen. Ich stelle mir vor, wie sich wohl die Dorfbewohner gefühlt haben müssen, wenn sie hinter den dicken Mauern der gedrungenen Feldsteinkirchen Schutz vor herannahenden Feinden suchten.

Überhaupt scheint mir die stille Region an diesem Tag wie ein lebendiges Geschichtsbuch. Die Kapitel der Besiedelung der Prignitz fügen sich in die eiszeitliche Landschaft. Slawische Ringburgen und Reste mittelalterlicher Trutzbauten an den Kreuzungen ehemaliger Handelsstraßen, das Barockschloss am Fluss, alte Ziegeleien auf tonigem Untergrund. Während ich an Gutshäusern und Bauernstellen vorbei radle kommen mir die Geschichten der Gräfin von Bredow in den Sinn. Ihre Familienchroniken eines alten Landadel-Geschlechts habe ich als Teenager geliebt. Vergebens warte ich darauf, dass von irgendwoher ein Schweinehirte um die Ecke biegt oder ein barfüßiges Mädchen eine Schar Gänse über den Dorfanger treibt. In Gülitz steht ein echtes Naturwunder: Die wohl älteste Ulme Brandenburgs hat mit ihrem unfassbar dicken Stamm eine ganze Steinmauer verschlungen, erzählt mir ein alter Herr. Er lebt schon immer hier. Der tausendjährigen Ulme kommt das wahrscheinlich trotzdem nicht allzu lang vor.

Im späten Nachmittagslicht erreiche ich den Ruhner Berg. Vom Aussichtsturm auf dem Gipfel zeigt sich die von Wäldern und Baumreihen aufgelockerte Agrarlandschaft von ihrer schönsten, goldgelben Seite. Selbst für die Flachland-Radlerin ist der sanfte Anstieg auf Mecklenburg-Vorpommerns zweithöchsten Gipfel leicht zu bewältigen. Sowieso ist das Radfahren im Ruhner Land eine wahre Freude. Das Knotenpunktsystem erleichtert die Orientierung, die Strecken verlaufen idyllisch zwischen Büschen und Bäumen auf gut ausgebauten Radwegen oder auf kaum befahrenen Nebenstraßen. Immer wieder weisen Schilder den Weg zu Hofläden und kleinen Cafés, die jedoch oft nur am Wochenende geöffnet sind.

Gut zu wissen

Das Ruhner Land liegt auf halber Strecke zwischen Pritzwalk (BB) und Parchim (MV). Der Startpunkt der Tour ist beliebig wählbar, alle Bahnhöfe der Prignitz sind erreichbar mit der Regionalbahn (Linie RE2) und sind über das Knotenpunktsystem mit den gut ausgebauten Radwegen verbunden. Wochentags und in der Nebensaison ein Picknick einpacken.

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Rundlinge und Eiszeitlandschaft – eine Radtour durch das Ruhner Land 53.219191, 11.898022 Pirow, Deutschland (Routenplaner)

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