Wer Fontane liest, kennt diese Klosterruine. Zumindest literarisch. Denn in Fontanes Roman »Der Stechlin« gibt es ein Kloster Wutz, dessen Vorbild das alte Zisterzienserinnenkloster Lindow ist. Dass dieser Ort aber so romantisch ist, hatte ich nicht erwartet.

Das Städtchen ist mitten in dieser reizvollen Seen- und Waldlandschaft zwischen Rheinsberg und Neuruppin gelegen. Typisch brandenburgisch entlang einer Durchgangsstraße sind Traufenhäuser aneinandergereiht, südlich steht die Kirche und in der Stadtmitte drängen sich um eine Tourismusinformation Eisdielen, Cafés und ein, zwei kleine Läden. Wenige Schritte nur, und die Atmosphäre ändert sich. Ein Wasserrad dreht sich. Im Wutzsee steht ein steinernes Abbild von Amelie, der schönen Nonne von Lindow, die mit dem Geliebten fliehen konnte. Eine Schwanenfamilie umkreist sie. Ich werde neugierig.

»Zum Kloster« — der Wegweiser zeigt nach links. Zwischen Gärten und dem See, dann über einen Innenhof, entlang an bewohnten Gebäuden. Darf man da durch? Ein Schild gibt Entwarnung: Durchgang gestattet. Stille, Ruinen und ein Friedhof unter Bäumen. Eine malerische Szenerie: Mauern aus Granit- und Backsteinen, Bögen, Fensternischen, Reste architektonischen Schmucks, Gräber der Stiftsdamen. Eine geöffnete Tür zu einer Art Keller. Da traue ich mich nicht hinunter. Ohne die ausführlichen Informationstafeln wäre es wirklich schwer zu erkennen, dass hier einst Nonnen beteten und arbeiteten: Um 1230 Gründung des Klosters, 1542 Umwandlung in ein evangelisches Damenstift und 1945 dessen Auflösung. Betont wird, dass es nicht geklärt ist, ob wirklich Zisterzienserinnen hier siedelten. Bei den Stiftsdamen ist man sich sicher: Eine wichtige Versorgungsinstitution des Ruppiner Adels. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg holten sich viele hier Baumaterial. Wie der Große Kurfürst, der Ziegel zum Bau von Schloss Oranienburg abtransportieren ließ.

Dass Fontane von der Lage des Ortes fasziniert war, liegt auf der Hand. Die alten Steinmauern beflügeln geradezu die Phantasie. Wer denkt da nicht an unglückliche Nonnen, sehnsuchtsvolle Liebe und großes Entsagen! Schön, dass so viel Grünes die Ruinen einrahmt. Das Licht- und Schattenspiel unter den Bäumen unterstreicht die Stimmung. Oh, ich bin nicht allein. Hinter einer Mauer kommt mir plötzlich eine junge Fotografin auf dem schmalen Weg entgegen. Wo kam sie auf einmal her? Amelie? Der Ort wirkt.

Gut zu wissen

Anreise nach Lindow über Löwenberg mit der Regionalbahn. Die Strecke Löwenberg – Rheinsberg wird nur saisonal von April bis Oktober befahren. Der Klosterland e. V. vereint die Aktivitäten vieler Klöster in Brandenburg und Westpommern unter einem Dach. Auf der Webseite des Vereins finden sich Ausflugs- und Reisetipps für interessierte Klosterbesucher/innen: www.klosterland.de

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Dichtung und Wahrheit — Kloster Lindow 52.973304, 12.990933 Kloster 16835, Lindow (Mark), Deutschland (Routenplaner)

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