Für uns war das einmal Terra incognita. Die Fähre von Heiligensee verkehrte schon lange nicht mehr. Auf der Havel patrouillierten Schnellboote der Nationalen Volksarmee. Und in der Flussmitte warnten Bojen davor, die Grenze »zu überschreiten«. Für diese Stelle meinte man wohl, »zu durchschwimmen«. Nieder Neuendorf war für uns vor allem ein Kirchturm, den wir hinter Bäumen am anderen Ufer sahen. Merkwürdig blieb, dass wir von Osten her nach dem Osten schauten — in die DDR.

In Gedanken bin ich oft Passagier der Fähre gewesen, setzte über und kam später dann zurück; auf Fähren bin ich immer gerne unterwegs. Das Fährhaus gab es dann noch als Gaststätte. Einmal hörte ich den Kellner scherzhaft sagen, als der die Rechnung kassierte: »Sie hatten Aal und Mineral.«

Inzwischen ist auch das Vergangenheit. Jetzt aber sind wir am Wachturm angelangt, einem der Letzten an der ehemaligen Grenze. Der Uferweg ist ausgebaut und hofft auf Spaziergänger. Ob wohl jemand kommt oder mit dem Boot anlegt? Das gastronomische Angebot ist allerdings spärlich, auch drüben, in Heiligensee.

Gut zu wissen

Heiligensee ist mit der Berliner S-Bahn zu erreichen (gleichnamige Station). Neuendorf am anderen Havelufer erkundest du am besten mit dem Fahrrad. Der Berliner Mauerweg führt am Flussufer entlang. Heute kannst du in Henningsdorf (Brücke) oder Tegelort (Fähre) die Havel und ehemalige Grenze einfacher überqueren: www.radreise-­wiki.de/Berliner_Mauerweg

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Nieder Neuendorf am Berliner Mauerweg 52.608810, 13.197200 Nieder Neuendorf, Hennigsdorf, Deutschland (Routenplaner)