Dem Hinweisschild »Eingang Schlosspark« folge ich einem schmalen Pfad zwischen hohen Hecken entlang – und trete nach wenigen Metern aus einem Dorf am Rande der Prignitz in eine andere, verwunschene Welt hinein. Zu meiner Rechten liegt ein stiller Teich, in dem sich ein prächtiges Herrenhaus und ein langgezogenes Nebengebäude in der Morgensonne spiegeln. Der irische Wolfshund hinter dem Zaun des Nachbargrundstücks passt perfekt in diese, wie aus der Zeit gefallen wirkende, Szenerie.

Am Ende des Teiches stößt der Weg auf eine Holzbrücke, die über einen kleinen Wasserlauf führt. Ich entscheide mich gegen den von Oleanderbüschen gesäumten Weg Richtung Schloss und schlage stattdessen den Pfad in den hinteren Teil des verwilderten Parks ein. Wer hier wohl einst im Schatten der Bäume wandelte, während die Bauern auf den umliegenden Feldern des Gutes ihr Tagwerk verrichteten? Standesgemäß steht am Rande einer Lichtung eine – leicht ramponierte – Eiche, die sich selbst mit Weitwinkelobjektiv kaum in Gänze aufs Foto bannen lässt.

Im hintersten Winkel des Parks entdecke ich, versteckt zwischen alten Bäumen, eine Grabstätte der Familie von Winterfeld. Später lese ich, dass diese die barocke Zweiflügelanlage im 18. Jahrhundert auf den Resten einer mittelalterlichen Doppelburg errichten ließ. Neuhausen war einst ein wichtiger Grenzpunkt der Prignitz. Heute befindet sich der Park im Besitz der Gemeinde. Geld für die Pflege ist höchstens sporadisch vorhanden. Was nicht stört, unterstreicht der charmante Wildwuchs doch den verzauberten Charakter des Ortes.

Gerade möchte ich mich auf einer Bank am Wasser niederlassen, die Stimmung genießen und das mitgebrachte Frühstück verzehren, als sich unter lautem Rufen und Pfeifen ein Pickup nähert. Bei der Suche nach dem entlaufenen Labrador bin ich leider keine große Hilfe, erfahre aber in diesem unverhofften Gespräch allerlei Anekdoten aus der jüngeren Vergangenheit von Neuhausen: Früher diente das Schloss vor allem den Kindern aus der Nachbarschaft als einziger großer Abenteuerspielplatz. Auch gab es Kinovorstellungen im Hof der verfallenen Anlage, in einer wirklich besonderen Atmosphäre. Mittlerweile sind Schloss und ehemaliger Pferdestall denkmalgerecht saniert und werden für Hochzeiten und Seminare genutzt.

Gut zu wissen

Schlosspark Neuhausen, Neuhofer Straße 10, 19348 Berge OT Neuhausen, www.schloss-neuhausen.de. Das Schloss ist nicht öffentlich zugänglich, Besichtigungen sind auf Anfrage möglich. Anreise: Vom Bahnhof Karstädt mit dem Bus Linie 904 bzw. 932 bis Haltestelle Neuhausen (PR).

 

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Morgenspaziergang im Schlosspark Neuhausen 53.223315, 11.842875 Neuhofer Straße 10, 19348, Neuhausen, Berge, Deutschland (Routenplaner)

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