Dass in der Gegend um Bad Freienwalde viele Kanäle die Tiefebene des Oderbruchs durchziehen, weiß ich natürlich. Dabei vergesse ich manchmal, dass die von Fließgewässern durchzogene Landschaft ja vor allem menschengemacht ist, nämlich seit im 18. Jahrhundert mit der Trockenlegung des Bruchs und der Begradigung der Oder begonnen wurde. Dann sind da noch die künstlich angelegten Wasserstraßen wie der Finow-Kanal und der Oder-Havel-Kanal. Auf einer Tagestour mit dem Auto begebe ich mich heute auf die Spuren dieser Zähmung und Nutzung des Wassers in der näheren Umgebung.

Meine erste Station ist der Wasserturm in Eberswalde-Finow. Imposant ragt er auf seinen vier Beinen und mit 50 Metern Höhe zwischen den Baumwipfeln hervor. Der Turm wurde 1917/18 errichtet, um die Bewohner der Messingwerksiedlung mit Wasser zu versorgen – ein wirklich besonderer historischer Ort, denn das Messingwerk besteht seit 1698 und ist damit der früheste Industriepark in Brandenburg. Mit dem Fahrstuhl sause ich hinauf zur Aussichtsplattform und bestaune die alten Werksgebäude, die heute teilweise in Wohnungen umgewandelt sind.

Von hier fahre ich weiter zum Schiffshebewerk Niederfinow. Dieses Wunderwerk der Technik ist seit seiner Eröffnung 1934 immer noch in Betrieb. Durch den neuen grauen Anstrich wirkt es wie aus dem Ei gepellt. Als ich näherkomme, wird gerade ein Freizeitboot 36 Meter in die Tiefe heruntergelassen.

Weiter geht es nach Oderberg, wo direkt an der Wriezener Alten Oder auf drei Etagen das Binnenschifffartmuseum untergebracht ist. Besonders gut gefallen mir die alten Fotografien, die einen Eindruck davon vermitteln, was hier früher alles herumschipperte und wie die Menschen auf dem Wasser lebten und arbeiteten. Natürlich besichtige ich auch den Raddampfer Riesa. Die alte Dame wurde 1897 erbaut und tat ihren Dienst bis in die 1970er-Jahre.

Mit einem Spaziergang zum Schöpfwerk Alttornow endet meine Tour. Ich parke am Bahnhof Bad Freienwalde und laufe ein kleines Stück am Landgraben entlang. Hier liegt das Schöpfwerk versteckt und bescheiden und leistet doch Großes seit 1895: Wenn die Oder Hochwasser hat, gibt es hier, im Landgraben, einen Wasser-Rückstau. Das Schöpfwerk hat dann die Aufgabe, das überschüssige Wasser abzupumpen und Bad Freienwalde vor einer Überflutung zu schützen. Heute allerdings liegt der Graben still da und ich laufe trockenen Fußes zurück zum Auto.

Gut zu wissen

Die Techniktour von Eberswalde-Finow über Niederfinow, Oderberg nach Bad Freienwalde umfasst insg. 60 km mit dem Auto. Wasserturm Finow: www.wasserturm-finow.de, Öffnungszeiten: Sa, So, feiertags: 10 bis17 Uhr. Schiffshebewerk: www.schiffshebewerk-niederfinow.info, Öffnungszeiten: tägl. 9.30 bis 17 Uhr. Binnenschifffahrtmuseum Oderberg mit Raddampfer Riesa: www.bs-museum-oderberg.de, Öffnungszeiten: tägl. 10 bis17 Uhr. Schöpfwerk Alttornow, Parken am Bahnhof Bad Freienwalde, dann dem Weg »Am Bahnhof« nach Osten bis zum Schöpfwerk folgen.

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Ein Tagesausflug für Wasser- und Technikbegeisterte von Finow nach Bad Freienwalde 52.863281, 14.046273 Hermann-Seidel-Straße 44, 16248 Oderberg (Routenplaner)