Neulich führte mich mein Weg nach Brandenburg an der Havel. Bisher war ich in diesem Städtchen nur zwischen Bahnhof und dem Campus der Hochschule unterwegs – in der gemütlich quietschenden Straßenbahn, die langsam durch die engen Gassen der Altstadt fährt. Dieses Mal habe ich mehr Zeit mitgebracht – und bereut, dass ich nicht schon früher das eine oder andere Mal ein paar Stationen früher aus der Tram gestiegen bin und den Rest des Weges zu Fuß zurückgelegt habe.

In der Stadt, die von der Havel um- und durchflossen ist und die aus mehreren Inseln besteht, die mit Brücken miteinander verbunden sind, hat es mir der Teil rund um das Altstädter Rathaus besonders angetan. Alte Bürgerhäuser drängen sich entlang der Kopfsteinpflasterstraßen. Ich stelle mir vor, wie es hier wohl früher war, als noch Pferdekutschen das Straßenbild bestimmten – oder auch die ersten Automobile hier durchtuckerten – und Handwerker und Händler ihre Waren durch die Straßen transportierten. Egal in welcher Zeitepoche – Brandenburg an der Havel hat sich irgendwie ein Flair von Historie und altem Charme bewahrt. Dazu trägt auch das Café Melange bei. Ich habe es eher zufällig entdeckt. Die zwei weißen Stühle aus verschnörkeltem Metall vor der großen Scheibe in dem Haus neben dem Stadtmuseum im Frey-Haus habe ich zuerst für ein ironisches Hipster-Statement gehalten. Beim Eintreten merke ich: die sind ernst gemeint.

Auf der Bank gegenüber dem Eingang liegen zwei Hunde mit kurzen Beinen und halten ihren Mittagsschlaf. Auf jedem Tisch stehen frische Blumen, in der Glasvitrine am Tresen leckerer Kuchen. Eine Wiener Kaffeehaus Atmosphäre begrüßt mich – die Gäste sind so gemischt wie die Porzellangedecke. Im Eck sitzen zwei Männer, die sich einen Tick zu laut über ihre Landkreise unterhalten – sie sind zufrieden mit deren Entwicklung. An einem Tisch mit einem Schild »Reserviert« nimmt ein älteres Ehepaar Platz, deren Gesichter eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Jugendstilmuster der Zuckerdose haben. Wahrscheinlich steht das Schild seit Jahr und Tag nur für sie dort. Der Herr, der bedient scheint zu wissen, was sie bestellen werden. Als ich in meinem ausgezeichneten Cappuccino rühre und dem Betreiber zuschaue, wie er die Stühle auf der Straße rückt, fällt mir auf: Einen Anzug trägt er nicht – wir sind also doch in Brandenburg an der Havel und nicht in Wien.

Gut zu wissen

Café und Bistro Melange, Ritterstraße 92, 14770 Brandenburg an der Havel. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8 bis 18 Uhr. Es gibt auch Leckeres für den kleinen Hunger. Anreise: Haltestelle Ritterstraße/Museum, Brandenburg an der Havel, Tram, (Linie 6).

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Wien in Brandenburg an der Havel – das Cafe Melange 52.412380, 12.554390 Ritterstraße 92, 14770 Brandenburg an der Havel (Routenplaner)