von Gastautor André Hennig

André Hennig ist im Zentralwerk für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich:

Es war einmal, vor vielen Jahren, am Anfang des Jahrtausends. Damals gab es in der Dresdner Friedrichstadt einen sehr speziellen Ort: Eine alte Buchbinderei. Hier lebten Menschen verschiedenster Profession aus verschiedenen Teilen des Landes friedlich zusammen, an einem Ort und auf eine Art, die sich von gängigen Mietwohnmodellen ziemlich unterschied. Sie wohnten hier, machten Kunst, beförderten die Kultur und feierten einmal im Jahr ein großes Fest. Im friedrichstadtZentral, so hieß der Ort, gingen die Jahre so ins Land und die Bewohner mussten sich um ihre Mieten keine großen Sorgen machen.

Leider sind Realität und Märchen zwei verschiedene Dinge und so endet diese Geschichte nicht mit der märchentypischen Floskel »und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute dort«. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn etwas Veränderung ist ja manchmal auch ganz produktiv. In der Realität geht die Geschichte so weiter: Auch in Dresden stieg über die Jahre der Verwertungsdruck durch die Immobilienbranche, man kann auch Gentrifizierung dazu sagen. In die alte Buchbinderei sollten nun schicke Lofts, die Geld bringen, hinein und die alten Mieter sollten hinaus. Ihres Gemeinschaftsdomizils beraubt, machten sie sich auf die Suche nach einer Alternative und wurden irgendwann in Dresden–Pieschen fündig.

Der neue Ort war eine ehemalige Rüstungsschmiede, später Großdruckerei, und in einem unbewohnbaren Zustand. Manche der alten Friedrichstädter gingen ihres Wegs, neue Mitstreiter kamen hinzu und irgendwann gelang es uns, das Gelände mit Hilfe der Stiftung trias zu erwerben. Neben dem Verein gibt es nun die ZENTRALWERK Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden, die als Pächter und Betreiber auftritt. Und als Bauherr. Wenn alles fertig ist, wird es im Zentralwerk zu einem Drittel Raum für Wohnen und zu zwei Dritteln Raum für Ateliers, Gewerbe, Ausstellungsflächen und Kunstproduktion geben. Jetzt finden bereits Veranstaltungen statt. Die Überlagerung der Bereiche ist der zentrale Bestandteil des Projekts: Privates und Profession, Kunst und Alltag werden vereint.

Damit das entstandene Netzwerk weiter wachsen kann, bietet die Genossenschaft die Mietflächen nicht profitorientiert, sondern kostendeckend an und sorgt für eine Beständigkeit, die für frei gestaltete Räume in einer aufstrebenden Stadt immer seltener wird.

Gut zu wissen

Zentralwerk, Riesaer Straße 32, 01127 Dresden, www.zentralwerk.de bzw. www.facebook.com/zentralwerkdresden. Während der momentanen Bauphase finden nur sporadisch Veranstaltungen statt. Anreise: Haltestelle Dresden-Pieschen, S-Bahn (Linie S1) bzw. Haltestelle Zeithainer Straße, Straßenbahn (Linie 3).

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ZENTRALWERK: Leben in der Rüstungsschmiede 51.081097, 13.728611 Riesaer Straße 32, 01127 Dresden (Routenplaner)

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