Der Journalist Thomas Baumann-Hartwig ist gebürtiger Dresdner und schreibt seit 2002 für die Tageszeitung Dresdner Neueste Nachrichten. Er berichtet bereits seit 2005 als Gerichts- bzw. Rathausreporter über die Waldschlößchenbrücke und andere Stadtentwicklungsprojekte.

Worum geht es bis heute bei diesem Brücken-Streit?
Es gibt verschiedene Diskussionsebenen: Der Frage nach der Notwendigkeit der Waldschlößchenbrücke zur Verkehrsentlastung stand das Argument des Naturschutzes der Elbwiesen und des Flusstales, einer durch die UNESCO ausgezeichneten Kulturlandschaft, gegenüber. Später wurde darüber diskutiert, wie die Brücke gebaut werden sollte.

Haben die Dresdner die Waldschlößchenbrücke angenommen?
Beim Bürgerentscheid 2005 mit einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent sprachen sich zwei Drittel der Dresdner für ihren Bau aus. Besonders bei Berufspendlern der angrenzenden Stadtbezirke ist die 2013 eröffnete Brücke akzeptiert, weil Fahrzeiten verkürzt und auf einigen Strecken eine spürbare Verkehrsentlastung erreicht wurde.

Wie verhalten sich die Brückengegner?
Bei denen bleibt eine tiefe Narbe, denn sie glauben, dass ihre Argumente wie Natur- oder Lärmschutz nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Sie fühlen sich von aktuellen Gerichtsurteilen bestätigt. Manche kämpfen bis heute. Bei Anderen hat sich die »bittere« Erkenntnis durchgesetzt, dass die Mehrheit der Dresdner dem Thema Verkehr höhere Priorität einräumt. Gleichwohl haben Anwohner und Naturschutzverbände alle rechtlichen und politischen Mittel ausgereizt, um den Bau zu verhindern.

Hat sich die Streitkultur über Infrastrukturprojekte in Dresden seitdem geändert?
Nein, denn ich stelle eine sehr große Unversöhnlichkeit in diesen Debatten fest. Befürworter einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt und diejenigen, die den Autoverkehr oder Wirtschaftsinteressen als das Wichtigste erachten, sitzen sich oft kompromisslos gegenüber und hören der Gegenseite nicht richtig zu. Selbst politische Beschlüsse oder juristische Urteile werden nicht akzeptiert. Diese Entwicklung sehe ich sehr kritisch.

Gut zu wissen

Von der Neustädter Seite unterhalb des Waldschlößchenareals hast du den besten Blick auf die Waldschlößchenbrücke. Sie quert die Elbe und Elbwiesen an deren breitester Stelle in der Stadt. Anreise: Haltestelle Waldschlößchen, Straßenbahn (Linie 11), Bus (Linie 64).

Karte wird geladen - bitte warten...

Brückenfehde um Verkehrsentlastung und (Welt)Naturschutz 51.067048, 13.775954 Waldschlößchenbrücke, Bautzner Straße, 01099 Dresden (Routenplaner)

Pin It on Pinterest

Share This