Sie tragen Namen wie »Gesundheitspflege« und »Heideröschen«, »Frohsinn« oder »Märchenland«. Heute gibt es 278 Kleingartenanlagen mit über 39.000 Parzellen in Leipzig. Einst als spießiges Freiluftbiedermeier verspottet, entdecken jüngere Menschen das Parzellengärtnern für sich – auch in jener Stadt, in der das Schrebergartenwesen vor gut 150 Jahren das Licht der Welt erblickte. Beheimatet im 1896 eingeweihten Vereinshaus des ersten Schrebergartenvereins, zeigt das Deutsche Kleingartenmuseum am historischen Ort Streiflichter auf diese 200-jährige Geschichte des Grünen Daumens.

Diese ging aus Ursprungslinien wie den Armen- und Arbeitergärten hervor. Der Anbau von Nahrungsmitteln war ein Motiv des Kleingärtners, auch die Naturheilbewegung zählt zu den Wurzeln – ebenso wie das »Schreberwesen«. Das entstand 1864, als zu Ehren des Leipziger Mediziners und Förderers der Gymnastik Moritz Schreber (1808–61) ein kindergerechter Turn- und Spielplatz eingerichtet wurde. Neben diesem »Schreberplatz« wurden kleine Gärten für die Kinder angelegt, bald griffen die Eltern zu Hacke und Spaten. Dieser erste Schrebergarten wird bis heute bewirtschaftet. Neben Dokumenten in Wort und Bild zur Entwicklung dieser Refugien macht der denkmalgeschützte Museumsgarten die Kleingartennutzung um 1900 anschaulich – und bietet sich innenstadtnah zum mußevollen Spaziergang an.

Ein Schaugarten zeigt die typische Nutzung in der DDR der 1970er Jahre. Wechselnde Sonderschauen – ich fand jene zur Kulturgeschichte des Gartenzwergs hübsch augenzwinkernd – widmen sich dem Laubenpiepern im weiteren Sinne. Der von mir geschätzte Leipziger Lyriker Georg Maurer hielt eine Schrebergärtnerbegegnung fest: »Während ich ein Gedicht auf ein Stück Papier kritzelte, rief mir sehr unmelodisch der Besitzer eines Schrebergartens zu (Pleiße trennte uns), daß man mich schon lange beobachte, wie ich mir immer Notizen mache, wo und was auf den Beeten und an den Obstbäumen wachse, damit ich dann nachts in den Gärten um so zielsicherer einbrechen könne, um Früchte und Gemüse zu klauen. Es bedurfte eines längeren Gesprächs, immer über die Pleiße hinweg, um dem Mann klarzumachen, daß es mir um die Poesie ginge. Ich mußte das laut schreien. Und in der Tat beruhigte sich der Mann, begann sich plötzlich für Poesie zu interessieren.«

Gut zu wissen

Deutsches Kleingärtnermuseum, Aachener Straße 7, 04109 Leipzig, www.kleingarten-museum.de, Tel. +49 (0)341 2111194. Öffnungszeiten: Di. – Do. 10 bis 16 Uhr, im Sommer zusätzlich Sa. und So. 10 bis 16 Uhr. Anreise: Haltestelle Waldplatz, Straßenbahn (Linien 3, 4, 7, 8, 15).

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Die Kirschen in Schrebers Garten

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