Der Evangelist Lukas ist bekannt dafür, in seiner Darstellung der Ereignisse um Jesus Christus den Fokus auf die armen, einfachen Leute zu legen. Dass Volkmarsdorf im Jahre 1893, als die Lukaskirche eingeweiht wurde, ein typisches Arbeiterviertel war, dürfte den Namensgebern wohl bewusst gewesen sein.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Volkmarsdorf ein aufstrebender Vorort Leipzigs, der seine eigene Kirche brauchte. Nach Plänen des prominenten Architekten Julius Zeißig wurde ein imposanter Backsteinbau im neogotischen Stil mit 1.000 Sitzplätzen errichtet. Im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen, sind von der einstmals aufwendigen Gestaltung des weitestgehend in Holz gehaltenen Innenraums leider nur noch einzelne Elemente erhalten geblieben, etwa das große Altarraumfenster mit seiner Darstellung der vier Evangelisten. Das ebenfalls dort befindliche Stehkreuz wurde aus groben Dachbalken gefertigt, die von benachbarten Gründerzeithäusern stammen. Diese wurden in den 1980er Jahren abgerissen und durch Plattenbauten ersetzt. An der Kirchenfassade sind die fünf szenischen Mosaike über den verschiedenen Eingängen sehenswert. Überragt wird das Kirchenschiff und der gesamte Stadtteil von einem 71 Meter hohen Turm. Aus dem Zug schon von weitem sichtbar, signalisiert er mir stets: »Du bist wieder zuhause«.

Eine Infotafel auf dem Kirchenvorplatz weist auf die Rolle der Kirche in der Wendezeit hin. Gegen Ende der 1980er Jahre entwickelte sich die Lukaskirche mit ihrem damaligen Pfarrer Christoph Wonneberger zu einem Treffpunkt oppositioneller Gruppen. Im Juli 1989 wurde hier der »STATT-Kirchentag« abgehalten, eine Gegenveranstaltung zum betont unpolitischen Kirchentag der sächsischen Landeskirche.

Als die Lukaskirche gebaut wurde, zählte die dazugehörige Gemeinde rund 18.000 Mitglieder. Deren drastische Reduzierung auf nunmehr 350 Personen, von denen nur ein Bruchteil regelmäßig in die Kirche geht, führte dazu, dass längst nicht mehr jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wurde. Dies hat sich vorerst geändert, da das Gebäude einen neuen Nutzer gefunden hat: Eine lutherische Freikirche, deren bisheriges Gotteshaus in Eutritzsch zu klein geworden ist, hat die Lukaskirche mit neuem geistlichem Leben gefüllt und erwägt, die temporäre Pachtung zu verlängern. Ein Modell, das ich als Student der Theologie beobachte – vielleicht ist es ja zukunftweisend.

Gut zu wissen

Lukaskirche, Volkmarsdorfer Markt, 04315 Leipzig. Aktuelle Gottesdienstzeiten auf der Website der freikirchlichen St. Trinitatisgemeinde: www.lutherisch-leipzig.de. Anreise: Haltestelle Hermann-Liebmann-Straße / Eisenbahnstraße, Straßenbahn (Linien 1, 3, 8), Bus (Linie 70).

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Wahrzeichen im Leipziger Osten – die Lukaskirche in Volkmarsdorf 51.343146, 12.409315 Lukaskirche, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)