Ein paar Zahlen: Neun Bahn- und Straßenbrücken führten im Abschnitt der Grenzoder einmal über den Fluss. Alle wurden 1945 gesprengt, bis heute sind nur sieben von ihnen wieder instand gesetzt. An der kleineren Neiße liegen sogar noch rund 20 kriegszerstörte Brücken brach.

Die Eisenbahnbrücke Neurüdnitz-Siekierki ist die Längste über die Oder. Als eine von wenigen Grenzbrücken hat man sie zehn Jahre nach Kriegsende wieder aufgebaut, aber nahezu nicht benutzt. 330 Meter Stahlkonstruktion — allein für militärstrategische Zwecke errichtet, um im Konfliktfall den Transport von Soldaten und Munition zu sichern. Das sagt etwas über die politischen Prioritäten in der Region: Die Oder war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verteidigungslinie und kein verbindender Fluss. Und selbst als sie ihren militärischen Zweck verloren hatte, blieb die Brücke aus Sicherheitsgründen offiziell abgeriegelt. Wie in Sicherheitsverwahrung lag sie lange verborgen im sumpfigen Oderbruch.

Von der Landstraße in der Nähe des polnischen Grenzorts Siekierki (Zäckerick) folge ich im Jahr 2010 einer preußischen Pflasterstraße durch dichtes Gebüsch bis ich vor einer kleinen Pforte zur Brücke stehe. Im Gegensatz zum Zugang von deutscher Seite ist sie nicht verschlossen. Wie eine lange Terrasse zieht sie sich über den Strom und sein Schwemmland, die Schienen liegen auf Holzbohlen, darunter das Wasser. Die rostigen Metallgitter am Rand benutze ich als Pfad, halte bei jedem Blick nach unten inne und versuche, mich nicht von den Mücken irritieren zu lassen. Besser ist der Blick zum Fluss: Eine weite Wasser-, Schilf- und Auenlandschaft eröffnet sich. Geräusche machen nur surrende Insekten und blubbernde Fische.

Seit Frühling 2014 ist die Brücke an Wochenenden geöffnet. Man kann sie mit einer handbetriebenen Draisine überqueren oder den Blick vom Liegestuhl aus genießen. (Anm. d. Redaktion: für das gesamte Jahr 2016 wurde die Öffnung der Brücke aus Naturschutzgründen untersagt) 

Die Brücke erreicht man am besten über die Fähre zehn Kilometer flussaufwärts nach Gozdowice (Güstebiese), vorbei am Denkmal der Pionier­truppen, dann der Landstraße 126 entlang des Landschaftsparks Cedynia folgen, Sierkierki passieren und nach zwei Kilometern links zur Brücke abbiegen. Mit der Draisine (Fahrradmitnahme möglich) kann man entweder wieder auf die deutsche Seite zurückkehren oder weitere zehn Kilometer entlang des Landschaftsparks bis nach Cedynia fahren (Grenzübergang Hohenwutzen).

Gut zu wissen

Das Brückentaxi darf seit Frühjahr 2016 aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht mehr betrieben werden. Wie es ab Frühjahr 2017 weitergeht ist derzeit noch unklar. Webseite: www.europaoderbruecke.de

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Eisenbahnbrücke Neurüdnitz-Siekierki - mit der Draisine über die Oder 52.812697, 14.223089 L281, Neurüdnitz, Oderaue, Deutschland (Routenplaner)