Der Oder-Neiße-Radweg über Grießen (ca. 18 km von Forst aus) weiter nach Guben/Gubin führt direkt am Fluss entlang durch die Stadt. Auffallend sind mehrere Brückenruinen, die von deutscher und polnischer Seite an die Neiße heranreichen – das Mittelstück fehlt, Zeugen der Geschichte. Sie fielen meist dem zweiten Weltkrieg zum Opfer – zusammen mit den deutsch-polnischen Beziehungen. Die fehlenden Mittelstücke deuten darauf hin, dass es zwischen Deutschland und Polen noch ein Stück Geschichte gibt, das im Sinne der Versöhnung neu geschrieben werden muss.

Den Fluss als Verbindung anstatt als Grenze wahrzunehmen – das zeigen Bürger von Frankfurt (Oder) und Slubice im Film von Uwe Rada im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung.

Aber nicht nur der Krieg hat seine Spuren in diesem Landstrich hinterlassen: Der umfangreiche Tagebau im Lausitzer Braunkohlerevier trug seinen Teil zur Entwurzelung ganzer Bevölkerungsgruppen bei. Komplette Ortschaften fielen den riesigen Schaufelradbaggern zum Opfer. Hautnah kann man diese Geschichte am Beispiel des Dorfes Horno miterleben. Heute Namensgeber für einen Stadtteil von Forst, war es einst ein Dorf, das vor allem auch von Sorben bewohnt wurde. Dazu lohnt ein Besuch im »Archiv verschwundener Orte« in Forst. Der wirtschaftliche Aufstieg, den der Braunkohleabbau der Region ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts insbesondere der Textilindustrie ermöglichte, hat eben zwei Seiten.

Hinter Forst, auf dem Oder-Neiße-Radweg immer an der Neiße entlang, kannst du parallel zum Weg einen kleinen Abstecher über Sacro machen, ein typisches Angerdorf entlanggezogen an der Dorfstraße rund um die um 1500 entstandene Backsteinkirche mit barockem Interieur. Hinter Sacro erreicht man nach 5 Kilometern Briesnig. Dort zwängt sich der Radweg zwischen Neiße und Landstraße. Westlich der stark befahrenen Landstraße befindet sich der aktive Tagebau Jänschwalde. Über einen der (offiziell gesperrten) Feldwege kann man sich vorsichtig dem Rand nähern. Dabei verschlägt es jedem erst mal die Sprache: Das sind Grubenausmaße, in denen fürwahr ganze Orte verschwinden können. Endlose Förderbänder bewegen den Abraum, in der Ferne hört man die Radbagger und soweit das Auge reicht angenagte Erde. Raum.

Der Radweg entfernt sich wieder etwas von der Landstraße, der Tagebau lässt etwas mehr Luft zum Atmen und führt schließlich am alten Bahnhof von Grießen vorbei weiter zur Doppelstadt Guben/Gubin.

Gut zu wissen

Archiv verschwundener Orte, An der Dorfaue 9, 03149 Forst (Lausitz), www.archiv-verschwundene-orte.de. Tel. +49 (0)3562 694836, Öffnungszeiten: Di. – Fr. 10 bis 17 Uhr; jeden 1. und. 3. So. im Monat 14 bis 17 Uhr. Anreise: Haltestelle Neu-Horno, Bus (Linie 858).

 

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Verschwundene Orte in der Lausitz 51.755593, 14.624691 An der Dorfaue 9, Forst, Deutschland (Routenplaner)