von Gastautorin Sophie Tetzlaff

Sophie Tetzlaff hat in Halle Kirchenmusik studiert und mag den Klang der Stadt:

Viele Straßen führen auf den halleschen Marktplatz. Hier wird regelmäßig gefeiert: Salz, Licht, Weihnachten und noch viel mehr. Ein Stadtzentrum, in das sich die Geschichte – auch die der Reformation – bis heute eingeschrieben hat.

Eine imposante Statue überragt den Marktplatz: Der »Händel« mit seinem breiten Kreuz ist Wahrzeichen und Verabredungsort. Im Rücken des Komponisten Georg Friedrich Händel stehen historische Gebäude dicht an dicht mit Betonklötzen aus dem 20. Jahrhundert. Ich blicke aber lieber mit dem Händel weiter über die Marktbuden hinweg auf die Marktkirche »Unser Lieben Frauen«, die auch Marienkirche genannt wird. In den zwei vorderen »Hausmannstürmen« wohnte noch bis 1916 ein Türmer, dessen Aufgabe es war, die Bewohner der Stadt vor Sturm und Feuer zu warnen. Man erzählt sich, dass die Tochter des letzten Türmers auf der Brücke zwischen den Türmen eine Schaukel gehabt habe. Heute schallen von der Brücke immer wieder Bläserklänge über den Marktplatz, die sich dort mit den Geräuschen der Straßenbahn, des Trubels und des Glockenspiels vom Roten Turm verbinden. Es ist das zweitgrößte Glockenspiel der Welt und spielt den »Westminsterschlag«, den man vom Big Ben in London kennt. Die Verbindung ist nicht zufällig, waren doch Halle und London zwei zentrale Wirkungsstätten Händels. Die Melodie entstammt vermutlich seinem Oratorium »Messias«. Ich genieße es immer, wenn hier aus Glocken, Posaunen und Markttreiben ein Klangbild der Stadt entsteht.

Die Marktkirche öffnet sich als hoher Raum mit mehreren Ebenen. Als der Reformator Justus Jonas 1541 aus Wittenberg gesandt wurde, um hier evangelisch zu predigen, befand sich die Kirche noch im Bau – ein schönes Bild für die Einführung der Reformation, finde ich. Die steinerne Lutherfigur steht unauffällig mit direktem Blick zum Händel an der Nordseite der Kirche. Luther selbst hat wohl nur drei Mal in der Marktkirche gepredigt. Das Besondere an diesem Ort ist aber, dass er nach seinem Tod auf dem Weg von Eisleben nach Wittenberg hier aufgebahrt wurde. Seine Totenmaske kann man dank Justus Jonas noch heute hier finden. Oder man besucht die Marktkirche für eine Besichtigung der Hausmannstürme, offene Orgelmusik, für Gottesdienste und Andachten. Und davor trifft man sich – wie die echten Hallenser: am »Händel«.

Gut zu wissen

Marienkirche, An der Marienkirche 2, 06108 Halle (Saale), www.marktkirche-halle.de. Öffnungszeiten: Januar und Februar: Mo. – Sa. 11.30 bis 16 Uhr, So. 15 bis 16 Uhr, März bis Dezember: Mo. – Sa. 10.0 bis 17 Uhr, So. 15 bis 17 Uhr. Abendführungen jeden Di. um 19 Uhr, Anmeldung (Tel. +49 (0)345-5170894). Anreise: Haltestelle Marktplatz, diverse Linien.

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»Wir treffen uns am Händel« gegenüber der Marienkirche von Halle 51.482551, 11.968152 An der Marienkirche 2, 06108, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)