An der Altstadtbrücke in Meißen, gegenüber der Albrechtsburg, kann man noch erahnen wie die Stadt zum Ende des 19. Jahrhunderts aussah. Im Stadtteil Vorbrücke sind die Straßen und Gassen schmal und die Fassaden der Fachwerk- oder Bürgerhäuser erzählen von ihrer langen Geschichte. Hier steht an der Zscheilaer Straße ein eher unscheinbares Wohnhaus. Eine Erinnerungstafel weist es als Geburtsort von Karl Gottfried Mäser aus. Selbst in Meißen wissen nicht viele, wer dieser 1828 geborene Mann war. Doch im US-Bundesstaat Utah ist Mäser eine vielgeachtete und verehrte Person.

Hier leben viele Angehörige der Mormonen, einer christlichen Glaubensgemeinschaft die sich neben der Bibel auf das Buch Mormon beziehen. Die »Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage« hat weltweit ca. 14,8 Millionen Mitglieder, die meisten leben im mittleren Westen der USA aber auch in Sachsen gab und gibt es eine größere mormonische Gemeinschaft. 1985 hörte ich zum ersten Mal von ihnen, als vielbeachtet von der internationalen Presse, der erste mormonische »Tempel« im sächsischen Freiberg eröffnet wurde. Eine Kirche, die zu DDR-Zeiten von einer amerikanischen Religionsgemeinschaft gebaut und geweiht wurde war wirklich etwas besonderes. Den Ort brauchten die Mormonen wegen religiöser Handlungen ihrer Mitglieder und weil die deutschen Kirchen bis heute die Glaubensgemeinschaft nicht als christliche Kirche anerkennen.

Der Bürgerssohn Karl Gottfried Mäser war studierter Lehrer und stellvertretender Schuldirektor in Dresden, als er sich 1855 als Erster in Sachsen zum Mormonen taufen ließ. Als er deshalb seine Stellung verlor, wanderte er aus und wurde in England, Schottland und schließlich in Amerika missionarisch tätig. 1860 ging er nach Utah um Schulen in Salt Lake City aufzubauen. Später war er auch an der Gründung zweier Universitäten im Bundesstaat beteiligt. Als Rektor der ersten amerikanischen Kirchenuniversität in Provo (Utah), stellte er 1894 bei der Weltausstellung in San Francisco das amerikanische Kirchen-Erziehungswesen vor.

All das geschah weit weg vom lutherischen Meißen. 1901 starb Mäser als geachteter Mann in Salt Lake City. Die mormonische Gemeinschaft wollte an ihren »Erzieher und Gottesgelehrten« aus Meißen erinnern. Sie setzte sich 1928 für die Gedenktafel an seinem Geburtshaus ein und finanzierte 2001 auch das Mäser-Denkmal vor dem mormonischen Gemeindehaus in Dresden.

Gut zu wissen

Geburtshaus von Karl Gottfried Mäser im Stadtteil Vorbrücke, Zscheilaer Straße 10, 01662 Meißen. Anreise: Meißen Hauptbahnhof, S-Bahn (Linie S1), von dort weiter entlang der Elbe bis zur Altstadtbrücke. Der Freiberg-Tempel ist der 33. bestehende Tempel der »Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage« befindet sich ca. 40 km von Meißen entfernt und nur sehr selten frei zugänglich.

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Von Meißen nach Salt Lake City 51.165858, 13.478925 Zscheilaer Straße 10, 01662, Meißen, Deutschland (Routenplaner)