von Gastautor Johannes Möller

Johannes Möller ist evangelischer Pfarrer der Kirche St. Martin in Heiligenstadt. Aus seiner Sicht hat das Eichsfeld einige Besonderheiten:

Das Eichsfeld und die Stadt Heiligenstadt muss man sich im Jahr 1525 ungefähr so vorstellen: Die Stadt war im Vergleich zu anderen Städten wie Erfurt klein aber relativ wohlhabend. Es gehörte damals zum Kurfürstentum Mainz, das sehr katholisch geprägt war. Auf der einen Seite war dieser relative Reichtum in der Stadt. Auf der anderen Seite gab es die Bauernstände, die mit hohen Abgaben geplagt wurden. Und dann kamen Thomas Müntzer und sein Mitstreiter Heinrich Pfeiffer, die gegen diese Abgaben und die sozialen Missstände predigten. Ihnen schlossen sich Bauern aus Mühlhausen und dem Eichsfeld an. Der Zug des Bauernheers kam dann am 2. Mai 1525 vor den Toren der Stadt zum Stehen. Ihre Anführer stellten im Rathaus den Antrag vor der Ratsversammlung, in der Stadt predigen zu dürfen, was Thomas Müntzer schließlich auch gewährt wurde. Nach seiner Rede in der Liebfrauenkirche brach in der Stadt Gewalt aus. Auch die Kirche St. Martin wurde geplündert und alte Dokumente vernichtet.

Im Rückblick war das im Eichsfeld aber eine kleine Episode. Nach diesen Vorfällen war Heiligenstadt nur ungefähr 50 Jahre evangelisch bevor es unter Einfluss der Jesuiten wieder katholisch wurde. An Thomas Müntzer erinnert im Eichsfeld heute nur eine kleine Tafel am Alten Rathaus und im Heimatmuseum wird er lediglich am Rande erwähnt. Es gibt keine Gedenkfeiern wie in manchen anderen Gegenden der ehemaligen DDR, in der Thomas Müntzer und die Bauernkriege eine gewisse Rolle spielten. Aber da ist das Eichsfeld in mancher Hinsicht besonders. Trotz wechselnder politischer Systeme gehören hier fast 95% der Menschen einer Konfession an, 12% sind evangelisch. Die evangelische Gemeinde hatte zwei Schübe: Während der Herrschaft Preußens im 19. Jahrhundert und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Umsiedler aus dem Osten. Die Kirchen sind hier also viel präsenter als in anderen Teilen Thüringens.

Trotz aller Unterschiede zwischen den Konfessionen gibt es auch Gemeinsamkeiten: zum Beispiel bei den Menschen, die hier auf dem ökumenischen Pilgerweg Loccum-Volkenroda an der Kirche vorbeikommen. Sie wollen zu sich selbst finden, den Alltag hinter sich lassen, ihren Glauben vertiefen oder einfach nur als Besucher die Gegend kennen lernen.

Gut zu wissen

Thomas-Müntzer-Gedenktafel, Altes Rathaus, Ratsgasse 9, 37308 Heiligenstadt. Das Heimatmuseum befindet sich in der Kollegiengasse 10, 37308 Heilbad Heiligenstadt. Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa. und So. 14.30 bis 17 Uhr. Anreise: Mit der Regionalbahn bis Heilbad Heiligenstadt, 15 Min. Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt.

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Thomas Münzer - im Eichsfeld ein Mauerblümchen 51.378416, 10.137998 Ratsgasse 9, 37308 Heilbad Heiligenstadt (Routenplaner)