von Gastautorin Silke Krage

Silke Krage ist Leiterin für Museumsmanagement/Fachwissenschaft des Panorama Museums in Bad Frankenhausen. Sie begleitet die Entwicklung des Museums seit über 27 Jahren:

Für mich ist immer noch die oberste Stufe der Treppe im Bildsaal der Ort im Museum, an dem sich etwas ereignet, das nur schwer in Worte zu fassen ist. So erging es mir bei meinem ersten Besuch und so ergeht es fast allen Besuchern des Museums.

Im Bildsaal befindet sich das monumentale Werk, man kann fast sagen: das »Weltbild« des Künstlers Werner Tübke, das er im Auftrag der Regierung der damaligen DDR von 1983 bis 1987 auf 1.722 Quadratmetern auf die Leinwand des Bildsaals malte. »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« – so lautet der Titel für das Bild. Das führt in die Irre. Eine frühbürgerliche Revolution gab es in diesem Sinne nicht. Geschichtlich nimmt das Bild Bezug auf die Bauernaufstände im 16. Jahrhundert zur Zeit der Reformation. Es ist aber kein reines Geschichtsbild. Werner Tübke stellte schon bei der Annahme des Auftrags klar, dass seine Arbeit über die rein historische Darstellung hinaus gehen würde. Und so sieht man heute über 3.000 Figuren und 75 Symbole in archetypischen Szenen der Menschheit, also tatsächlich ein »Weltbild«. Der Betrachter taucht förmlich ein in die Szenerie, wird selbst ein Teil des Bildes. Jede der knapp einstündigen Führungen durch den Bildsaal ist deshalb anders.

Der politisch intendierte Auftrag an Tübke, den Bauernaufstand rund um Thomas Müntzer im Mai 1525 in eine Bildsprache zu fassen, hatte in den 1980er Jahren eine enorme Bedeutung: Die Fertigstellung wurde deshalb mit einem Staatsakt am 14.09.1989 gefeiert. Man war erleichtert, dass es zum 40. Jahrestag der DDR fertig geworden war. Weiter hatte man nicht gedacht und die DDR ist heute selbst Geschichte. Es gab kein Konzept und keine Infrastruktur für ein Museum. Das haben wir nachgeholt. Seit 1992 präsentieren wir neben dem Herzstück des Museums, dem Panoramagemälde, wechselnde Ausstellungen figurativ-realistischer Kunst metaphorischer Prägung. Diese widmen wir Künstlerinnen und Künstlern, die in Deutschland meist noch keine Personalausstellungen hatten. Das zeichnet uns aus und hat uns überregional bekannt gemacht.

Das Museum befindet sich in keiner großen Stadt – man muss sich zu uns auf eine Reise begeben, um auf der obersten Stufe der Treppe im Bildsaal zu erstarren und zusammen mit anderen Besuchern »A« und »O« auszurufen.

Gut zu wissen

Panorama Museum, Am Schlachtberg 9, 06567 Bad Frankenhausen, www.panorama-museum.de, Tel. +49 (0)34671 6190. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 18 Uhr (April bis Oktober, November bis März bis 17 Uhr), Juli und August zusätzlich Mo. von 13 bis 18 Uhr. Führungen in der Hauptsaison zu jeder vollen Stunde. Anreise: Busbahnhof Bad Frankenhausen (Kyffhäuser) von dort 30 Min. zu Fuß.

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»Ah« und »Oh« vor Tübkes Weltbild im Panorama Museum 51.366026, 11.103399 Am Schlachtberg 9, 06567 Bad Frankenhausen/Kyffhäuser (Routenplaner)