von Gastautorin Larissa Wieczorek

Schon als Kind hat Larissa Wieczorek regelmäßig Freunde der Familie in Magdeburg besucht. Von 2012 bis 2014 hat sie selbst dort gelebt und am Theater Magdeburg gearbeitet:

Auf dem Magdeburger Domplatz errichtet eine Gruppe von rebellischen Studenten eine Barrikade und schwenkt Flaggen des Wiederstands. Dahinter ragt im Mondlicht die Silhouette des Doms empor. Diese Szene (aus dem Musical »Les Misérables«) war im Jahr 2013 als Teil der alljährlich auf dem Magdeburger Domplatz stattfindenden Musicalaufführungen des Theaters Magdeburg zu erleben. Doch vor der Kulisse des Doms haben auch schon ganz andere, reale Revolutionen stattgefunden. Heute ist der Dom Bischofskirche der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland.

Dass Magdeburg evangelisch wurde, ist nicht unwesentlich dem letzten katholischen Erzbischof in Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, zuzuschreiben. Er entdeckte im Handel mit dem Sündenablass eine gute Geldquelle und erntete so den Missmut der Bürger. Nachdem Martin Luther und seine Anhänger hier gepredigt hatten, wurde die Stadt Mitte des 16. Jahrhunderts eine Hochburg des Protestantismus. Die Magdeburger verteidigten eisern die Reformation und ließen sich auch von der durch den Kaiser verhängten Reichsacht nicht schrecken.

Neben dem Dom als Wahrzeichen der Stadt locken vor allem die Musicalaufführungen aber auch Wasserspiele, gelegentliche Konzertveranstaltungen und Demonstrationen die Menschen auf den Platz. Vor dem Westportal des Doms befindet sich zudem ein unscheinbares Labyrinth aus Pflastersteinen. Das kleine Kunstwerk ist nach dem Vorbild des Bodenlabyrinths in der Kathedrale Notre-Dame in Chartre südwestlich von Paris gestaltet. Für das Auge unsichtbar, liegt im Zentrum ein Amethyst vergraben, dem heilende Kräfte nachgesagt werden. So ist es naheliegend und gleichzeitig etwas wunderlich, dass bei der Einweihung des Labyrinths eine Schamanin mit Hilfe eines Muschelhorns die Kräfte aus den vier Himmelsrichtungen herbei rief.

Gleich nebenan findet man ein weiteres eigenwilliges Kunstwerk: die Grüne Zitadelle. Das kunterbunte Gebäude mit seinen unregelmäßigen Formen wurde in den 1990er Jahren von dem Künstler und Architekten Friedensreich Hundertwasser als »Oase für die Menschlichkeit und für die Natur in einem Meer von rationellen Häusern« entworfen und bietet zwischen den vielen Plattenbauten der Stadt eine willkommene Abwechslung.

Gut zu wissen

Dom zu Magdeburg, Am Dom 1, 39104 Magdeburg, www.magdeburgerdom.de. Öffnungszeiten Dom: Ab 10 Uhr, sonn- und feiertags ab 11.30 Uhr, Mai – Sept. bis 18 Uhr; Nov. – Mrz. bis 16 Uhr, Apr. u. Okt. bis 17 Uhr. Jedes Jahr inszeniert das Theater Magdeburg Musicals auf dem Domplatz. Anreise: Haltestelle Domplatz, Straßenbahn, (Linien 2,5,9,10).

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Domplatz von Magdeburg – energetisches Zentrum und Bühne der Stadt 52.124369, 11.634356 Am Dom 1, Magdeburg, Deutschland (Routenplaner)