von Gastautorin Monika Fleck

Monika Fleck arbeitet nach ihrer Pensionierung ehrenamtlich im Krokoseum – und bietet dort regelmäßig einen Handarbeitszirkel an:

»Es ist ein Haus mit vielen Fenstern – ungefähr 1800 Fenster. Die Adler und die auf dem Dach sollen etwas Wichtiges bedeuten – vielleicht Freundschaft? Es ist alt und wertvoll!!« So beschreibt Zainab, 9 Jahre, in einem Rätsel das Historische Waisenhaus. Wenn man direkt vor dem Gebäude steht, dann sieht man ein großes buntes Relief am Giebel und darunter Fensterreihen und eine rote Sandsteintreppe. Und an dieser Treppe steht Tag für Tag ein kleines freundliches Krokodil und lädt dazu ein, in das Gewölbe hinabzusteigen, runter ins Krokoseum.

Als August Hermann Francke Ende des 17. Jahrhunderts die nach ihm benannten Stiftungen gründete, wollte er die Kinder von der Straße holen: Waisenkinder und Arme kamen zu ihm, später entwickelte sich das ganze Ensemble zu einem Zentrum der protestantischen Erziehung und Bildung. Lange Zeit nur als Lagerraum genutzt, öffnet sich im Sockelgeschoss des Historischen Waisenhauses heute eine weite Spiellandschaft, daneben eine kleine Bühne, eine bestens ausgestattete Kinderbibliothek und eine Kreativecke. Hier unten ist immer einer, der sich kümmert und immer ein Angebot, bei dem man sich dazu setzen kann. Und die Kinder zahlen nichts. Für viele kleine Hallenserinnen und Hallenser ist ein Besuch im Krokoseum fester Bestandteil ihrer Tages- und Wochenplanung. Die ganz Kleinen (ab 2 ½ Jahren) werden von ihren Eltern, Omas und Opas hier her begleitet, die Größeren (bis 12 Jahre) kommen auch gerne einmal alleine, zum Beispiel zum Nähzirkel oder zur Lesefee. Besonders wichtig finde ich es, dass hier Kinder mit ganz unterschiedlichen Hintergründen aus Halle, aber zunehmend auch Flüchtlingskinder, zum Spielen, Basteln und Zuhören zusammen kommen. Oder zum Freitisch: Zu Franckes Zeiten war es nämlich üblich, dass junge Schüler ihre Verköstigung an so einem Freitisch bekamen. An diese Tradition knüpft das Krokoseum an – man muss sich nur anmelden.

Das Krokodil, das am Eingang und im Namen steht, bezieht sich übrigens auf ein lebensgroßes ausgestopftes Krokodil, das einige Stockwerke weiter oben in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen hängt. Die Kinder können regelmäßig Ausflüge dahin machen und über die vielen kleinen und großen Besonderheiten staunen, die dort ausgestellt sind.

Gut zu wissen

Kinderkreativzentrum Krokoseum der Franckeschen Stiftungen, Haus 1, Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale), www.francke-halle.de, Tel. +49 345 2127 575. Öffnungszeiten: Täglich ab 14 Uhr. Anreise: Haltestelle Franckeplatz, Straßenbahn (Linien 1,3,4,7,8,9).

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Das Krokoseum – in Franckes Waisenhaus ein Reich für Kinder 51.478080, 11.970946 Franckeplatz 1, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)