von Gastautor Manfred Grund

Seit 1994 vertritt Manfred Grund das Eichsfeld als CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag:

Lebhaft erinnere ich mich an die Härten des wirtschaftlichen Wandels nach der Wiedervereinigung. Wie überall in Ostdeutschland verloren in dieser Zeit auch im Eichsfeld tausende Menschen ihren Arbeitsplatz. Angestammte Betriebe wurden abgewickelt, Erwerbsbiografien brachen ab, existenzielle Unsicherheit griff um sich. Viele verließen die Region, um andernorts Arbeit zu suchen, meistens im Westen.

Heute dagegen gehört das Eichsfeld zu den Landkreisen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern. Die lokale Wirtschaft mit ihren kleinen und mittleren Unternehmen floriert. Und: Die Menschen kehren zurück. Nach einer Studie des Leipziger Leibniz-Instituts für Länderkunde hat kein Landkreis in Deutschland eine höhere Rückkehrerquote aufzuweisen. Dabei ist der wirtschaftliche Aufschwung in der Region, der vor allem gut qualifizierten Facharbeitern berufliche Chancen bietet, nur das eine. Noch etwas anderes kommt hinzu.

Die historische Region, die heute zu zwei Dritteln in Thüringen, zu einem Drittel in Niedersachsen liegt, zeichnet sich durch eine kulturelle Prägung aus, die sie wahrnehmbar von den umliegenden Regionen unterscheidet. Inmitten der traditionell protestantisch geprägten Nachbarschaft hat sich in der mehrheitlich katholischen Enklave über Jahrhunderte eine regionale Identität herausgebildet, die auch stärksten Gegenwinden widerstand: dem preußischen Kulturkampf ebenso wie dem Nationalsozialismus und dem staatlich geförderten Atheismus der DDR.

Wenn die äußeren Bedrängnisse groß sind, wächst der innere Zusammenhalt. In dieser konfessionell geprägten Kulturlandschaft pflegen die Eichsfelder bis heute mit Liebe und Leidenschaft ihre Traditionen. Sie vermitteln Heimat und Zugehörigkeit. In ihnen gründet der Wunsch nach Rückkehr.

Das »Eichsfeldlied«, die inoffizielle Hymne aus dem Jahr 1901, spiegelt diese innige Verbundenheit wieder. Schon immer zogen Eichsfelder in die Welt hinaus. Dort, wo sie lebten und arbeiteten, gründeten sie Vereine, in denen die Erinnerung an die Heimat wachgehalten wurde. Das Gefühl der Zugehörigkeit bestand auf diese Weise fort. Und so fühlen sich auch viele Eichsfelder unserer Tage, die ihre Heimat zeitweilig verlassen haben, zur Rückkehr animiert, getreu dem Eichsfeldlied: »Heim, wo das Kreuz vom Hügel ragt«.

Gut zu wissen

Eichsfelder Heimatmuseum, Kollegiengasse 10, 37308 Heilbad Heiligenstadt,
www.heilbad-heiligenstadt.de/politik-buerger/stadtverwaltung/heimatmuseum.html, Tel.: +49 (0) 3606 677480. Öffnungszeiten: Di. – Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa. – So. 14.30 bis 17 Uhr. Anreise: Ab Bahnhof mit dem Bus B oder 20 Minuten Fußweg.

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