von Gastautor Michael Goschütz

Michael Goschütz ist Journalist, Filmemacher und Vorstandsmitglied im Förderverein Schaudenkmal Gaszentrale Unterwellenborn e.V.:

1872 – in der bisher landwirtschaftlich geprägten Region um Unterwellenborn beginnt die Industrialisierung mit dem Bau der Maxhütte als Schwesterbetrieb des gleichnamigen oberpfälzischen Unternehmens in Haidhof. Binnen weniger Jahrzehnte entwickelt sich das Unternehmen zu einem vollmetallurgischen Betrieb mit Erzschmelze, Stahlwerk, und Walzwerk, der die gesamte Region fortan prägen sollte.

Die in den Jahren 1921 bis 1928 erbaute Gasmaschinenzentrale der ehemaligen Maxhütte Unterwellenborn ist ein prägnantes Beispiel für den reichhaltigen Kanon deutscher Industriegeschichte. Angetrieben vom bei der Roheisenerzeugung in den Hochöfen anfallendem Gichtgas, produzierten hier sieben Groß-Gasmaschinen den »Hochofenwind«, Pressluft für das Thomas-Stahlwerk und Elektroenergie. Heutzutage fasst man solche Verfahren der mehrfachen Energienutzung unter dem Begriff »Synergie« zusammen.

Von der wechselvollen 145-jährigen Geschichte der Maxhütte sind nur wenige Zeugen übrig geblieben. Eines davon ist die Gasmaschinenzentrale. Bis Mitte der 1990er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch inmitten des riesigen Maxhüttenareals stehend, ist sie heute nach dem Bau der Ortsumfahrung von Unterwellenborn (B 281) allen Besuchern zugänglich.

Von den ehemals sieben Großgasmaschinen ist als einzige der Gasdynamo III der Firma »Thyssen & Co.« mit einem Schwungradgenerator der Firma »Siemens & Schuckert« erhalten geblieben und bildet heute das Kernstück der Ausstellung in der Gasmaschinenzentrale. Hinzu kommen vielfältige materielle Zeitzeugen aus der Maxhüttengeschichte, anhand derer man sich vorstellen kann wie hart die Arbeit im Umfeld des fauchenden Ungetüms gewesen sein muss. Darüber hinaus wird durch Ausstellungsstücke auch der Produktionsprozess im heutigen Stahlwerk Thüringen dokumentiert. Der Förderverein »Schaudenkmal Gaszentrale e.V.« Unterwellenborn lädt Sie ein – zu einer interessanten und spannenden Zeitreise durch ein bedeutendes Kapitel deutscher Industriegeschichte und zeigt darüberhinaus eine ebenso interessante Dauerausstellung zum Thema »Erneuerbare Energien«.

Gut zu wissen

Schaudenkmal Gasmaschinenzentrale, Bergweg 1, 07333 Unterwellenborn,
www.gmzuborn.de, Tel.: +49 (0)3671) 52 32 73. Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-11 Uhr
– Sa, So- und an Feiertagen sowie für Gruppen, sind nach Anmeldung auch Sonderführungen außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Anreise: Bahnhof Unterwellenborn (Regionalbahn, Bus), Fußweg 20 Minuten.

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Ein stählerner Saurier – die Gasmaschinenzentrale Unterwellenborn 50.653990, 11.424830 Bergweg 1, 07333 Unterwellenborn (Routenplaner)