Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt rund um den Schlosspark in Gotha kommt man vorbei an schönen Bürgerhäusern, Erkern und Balkonen aus der Gründerzeit. Wohl geordnet und überschaubar. Kaum zu glauben, dass in der Stadt, die eher als Vertreterin der Naturwissenschaften gilt, die »Grande Dame des Dada« geboren wurde und hier als junge Frau ihre ersten Skizzen anfertigte.

Die 1889 in Gotha geborene Hannah Höch musste, wie es für Frauen ihrer Zeit meist üblich war, die »Höhere Töchterschule« mit 15 Jahren abbrechen, um sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern. Im Anschluss folgte eine Buchhalterlehre im Versicherungsbüro des Vaters. Der »wollte ein Mädchen verheiratet wissen, aber nicht Kunst studieren lassen«. Bevor der Vater dem Wunsch der Tochter nach einem Studium an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin doch nachgab, streifte die junge Hannah Höch mit dem Zeichenblock durch die Gassen und den Park in Gotha oder malte vom Dachbodenfenster aus den Blick über die Dächer von Schloss und Stadt. Schon in diesem Frühwerk kündigte sich die Vielfalt der Techniken und Stile an, mit der die selbstbewusste Beamtentochter aus Gotha es später zu Weltruhm brachte.

Auch in der Berliner Dada-Szene, zu der ihr Liebhaber, Mitstreiter und Widersacher Raoul Hausmann 1915 die Tür aufstieß, war es für »das Hannchen« – wie sie abfällig genannt wurde – nicht leicht, sich als Frau zu behaupten. Die Erfindung der Fotocollage wird allein Hausmann zugeschrieben, Höchs beträchtlicher Anteil daran lange verschwiegen. Im 1918 gegründeten Berliner »Club Dada« war Höch das einzige weibliche Mitglied und viele Dadaisten wollten in ihr nicht mehr als die Geliebte Hausmanns sehen.

Doch »das Hannchen« setzte sich durch, nahm mit Schere, Stift und Papier gesellschaftliche Rollenbilder und den grassierenden Fortschrittsgeist der turbulenten 1920er Jahre aufs Korn, bereiste Europa und lebte neun Jahre lang mit der holländischen Avantgarde-Schriftstellerin »Til« Brugmann zusammen. Bis zu ihrem Tod mit 88 Jahren erlangte sie weltweite Bekanntheit – ein Traum, der für die meisten ihrer männlichen Kollegen zeitlebens unerfüllt blieb.

Unterwegs auf ihren Spuren durch Gotha starten wir am KunstForum Gotha, schlendern über den Markt vorbei an der Buchhandlung mit ihrem Namen, durch den Schlosspark und tauchen in ihr Wohnviertel ein.

Gut zu wissen

Start am KunstForum Gotha, Querstraße 13-15, 99867 Gotha, www.kultourstadt.de/kunstforum-gotha. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 17 Uhr. Das Geburtshaus befindet sich in der Dorotheenstraße 17, das Wohnhaus in der 18.-März-Straße 28. Am Hauptmarkt 15 befindet sich eine Buchhandlung mit ihrem Namen. Anreise: Haltestelle Huttenstraße, Straßenbahn (Linie 2).

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Dada in Gotha – ein Stadtspaziergang auf den Spuren von Hannah Höch 50.948787, 10.704031 Querstraße 13-15, 99867, Gotha, Deutschland (Routenplaner)