Vor langer Zeit, als die Azubis noch Knechte genannt und auch so behandelt wurden, sollen sich die Geschichten um das »Nadelöhr« in Ilfeld zugetragen haben. Das »Nadelöhr« ist ein Spalt im Fels. In früheren Zeiten mussten die neuen Knechte unter Androhung von Schlägen und Tritten der Älteren dort hindurch, es sei denn, sie konnten sich von dieser Tortur freikaufen. Doch wer konnte das schon! Eine Tafel am Felsen erzählt die Geschichte. Heutzutage klettern hier all diejenigen, die die Figur und den Schneid dazu haben. Keiner muss mehr. Zumindest Kinder versuchen den Durchstieg noch immer gern.

Die »Bere«, unser kleiner Harzbach, fließt ganz in der Nähe und hinter dem Nadelöhr führt ein schmaler Waldweg oberhalb der Schienen der Harzquerbahn in Richtung Ilfeld. Mit etwas Glück erlebt man auch die Durchfahrt der Brockenbahn, mit lautem Pfeifen und Schnaufen kündigt sie sich an. Die dampfende tiefschwarze Lok zu sehen, ist auch für mich noch immer ein Erlebnis. Urlauber winken aus den roten Wagons und ich winke gern zurück. Bergauf gabelt sich der Weg, nach rechts geht es in Richtung Harz zu weiteren berühmten Felsen, die »Mönch« und »Gänseschnabel« genannt werden, wohl, weil sie mit etwas Fantasie auch so aussehen. Links entlang, parallel der alten Harzstraße, sieht man auf dem gegenüberliegenden Berg Ilfelds Wahrzeichen ,die »Wetterfahne«, und bei günstiger Sonneneinstrahlung leuchtet das große metallene Schild silbern am Himmel. Beim Blick nach unten entdeckt man die alte Neanderklinik, früher stand hier das Ilfelder Kloster. Geradeaus führt der Weg direkt auf die Kirchturmspitze zu und einen kurzen Stich hinauf, wartet eine uralte Bank auf Besucher. Hier sitze ich gern in Augenhöhe mit dem Kirchturm und schaue in das Ilfelder Tal, während meine Labradorhündin Hexe genauestens schnuppert, welche der Ilfelder Hunde schon vorher ihre Frauchen und Herrchen an diesem schönen Ort geführt haben. Das ist immer ein schöner Spaziergang für uns beide!

Der Weg trägt den Namen »Goetheweg«. Sein Namensgeber ritt im Dezember 1777 auf seiner Harzreise hier entlang. Diese beschrieb er nicht nur sehr ausführlich, sondern von ihr brachte er auch die Geschichten über Hexen und Teufel nach Weimar mit zurück und nahm sie in sein Werk auf.

Gut zu wissen

Nadelöhr Ilfeld, Goetheweg, 99768 Harztor OT Ilfeld, www.thueringen-entdecken.de. Anreise: Bahnhof Ilfeld Neanderklinik und 7 Minuten Fußweg. Vom Wanderparkplatz an der B4 ist der Weg zum Nadelöhr ausgeschildert.

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Fels mit Namen und Geschichte - vom »Nadelöhr« und einem schönen Ausblick 51.586496, 10.784583 Goetheweg, 99768, Harztor, Deutschland (Routenplaner)