von Gastautorin Kristine Müller

Die Autorin ist seit ihrer Jugendzeit Mitglied der Naturfreunde und leitet heute die Geschäftsstelle des Thüringer Landesverbandes:

»Berg frei!« – der traditionelle Gruß der Naturfreunde erzählt bereits viel über ihre Geschichte: Im ausgehenden 19. Jahrhundert befand sich das meiste Land in Privatbesitz, Betretungsverbote waren eher Regel als Ausnahme. Der soziale Anspruch, der aus der Arbeiterbewegung heraus gegründeten Naturfreunde war es, den Zugang zur Natur zu »befreien« und so auch der breiten Bevölkerung Erholung und Freizeitgestaltung in der Natur zu ermöglichen. Anfang des 20. Jahrhunderts errichten Naturfreunde-Gruppen in gemeinsamer Handarbeit die ersten Vereinshäuser. Zu Beginn waren dies meist einfache Berghütten wie man sie vom Wandern kennt. Später wurden die Häuser größer und die durchgeführten Gruppenaktivitäten immer vielfältiger.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Naturfreunde als sozialer und demokratischer Verein verboten, die Häuser wurden enteignet. Während die Naturfreundehäuser in der ehemaligen Bundesrepublik später größtenteils rückübertragen wurden, blieb die Bewegung in der DDR auch weiterhin verboten. Erst nach der Wende wurden in den neuen Bundesländern wieder Naturfreunde-Ortsgruppen und Landesverbände gegründet. Das erklärt auch, warum es heute in ganz Thüringen nur ein einziges Naturfreundehaus zum Übernachten gibt.

Während heute jedoch viele Vereine mit Überalterung und Nachwuchsmangel zu kämpfen haben, ist der thüringische Landesverband mit seinen 650 Mitgliedern ziemlich gut aufgestellt. Gemeinsam mit den Ortsgruppen entwickeln wir verschiedenste Formate für die gemeinsame Freizeitgestaltung. Neben den klassischen Natursportarten sind bei uns Ökologie, Jugend- und Familienarbeit wichtige Themen. Und wir sind natürlich alles andere als unpolitisch: Werte wie Toleranz, Gleichberechtigung und Solidarität bestimmen unsere Projekte und Aktivitäten. Bei »Politik im Grünen« kommen wir zum Beispiel beim Wandern mit Kommunal- und Landespolitikern ins Gespräch und an vielen Stellen arbeiten wir mit internationalen Partnern zusammen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, was sich entwickelt, wenn wir mit neuen Gesichtern und Ideen in den kleinen, abgeschiedenen Ort Gießübel in der Gemeinde Schleusegrund mitten im Thüringer Wald kommen.

Gut zu wissen

Naturfreundehaus Thüringer Wald, Neubrunnstraße 175, 98667 Gießübel, www.naturfreundehaus-thueringen.de, Tel. +49 (0)361 66011685. 30 Schlafplätze in 8 Zimmern, Seminarraum, Selbstversorgerhaus zur Einzelbelegung. Anreise: Haltestelle Gießübel Schleusengrund, Bus (Linien 203, 200) vom Bahnhof Suhl.

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Ein Ort fürs Miteinander – das Naturfreundehaus Thüringer Wald 50.540821, 10.921133 Neubrunnstraße 175, 98667 Schleusegrund (OT Gießübel) (Routenplaner)