von Gastautor Ralf Pasch

Ralf Pasch ist Journalist, Buchautor und Ausstellungsmacher. Er arbeitet unter anderem zu jüdischem Leben in Deutschland und Vertreibung:

»Zurück zu den Wurzeln« kann mitunter auch bedeuten: Zurück an die Wiege. Meine stand in Schmalkalden, am Fuße des Rennsteigs. Unweit davon, in der thüringischen Rhön, lernte ich Instandhaltungsmechaniker, soll heißen: Schlosser. Ich gab den Beruf bald wieder auf, was nicht nur an meiner Metallallergie lag.

Nicht weit von Schmalkalden steht die Neue Hütte, die längst nicht mehr neu ist, auch wenn sie – adrett herausgeputzt – so wirkt. Erbaut wurde sie 1835. Damals war sie auf dem neusten Stand – Hightech. Der mit zehn Metern heute eher mickrige Hochofen produzierte aus Erz Roheisen – das waren innerhalb von 24 Stunden etwa fünf Tonnen. Dazu war freilich die doppelte Menge Kohle und Holz vonnöten. Das gab es jedoch im umliegenden Thüringer Wald zuhauf.

Heute ist die »alte« Neue Hütte eines der letzten Zeugnisse ihrer Art in Europa. Ein Museum rund um das Hochöfchen erzählt mit Hilfe von Modellen, Exponaten und Schautafeln nicht nur dessen Geschichte, sondern lässt den Besucher durch 1.300 Jahre Eisenverarbeitung reisen. Eisenerz, wie es in den Thüringer Tiefen vorkommt, entstand vor Millionen von Jahren. Später, aber noch lange vor der Industrialisierung, erkannte der Mensch den Wert dieses Bodenschatzes. Als 1924 die Produktion in der Neuen Hütte endete, war rund um Schmalkalden auch eine gut vernetzte Industrie für die Herstellung von Kleineisenwaren entstanden.

Die »Stadt der Schmiede« wurde über die Grenzen des Thüringer Waldes hinaus bekannt. Durch ihre günstige Lage im Netz der Handelsstraßen konnten die Produkte von dort auf Messen an den Mann gebracht werden. Zwischen 1956 und 1990 – auch davon erzählt das Museum in der Neuen Hütte – waren Kleineisenwaren unter dem Markennamen »Smalcalda« berühmt. Mein Großvater, der in einer böhmischen Dorfschmiede sein Handwerk erlernt hatte, tüftelte in Thüringen als Ingenieur in einem Zweigbetrieb des VEB Werkzeugkombinates Schmalkalden an neuen Zangen und Schraubenziehern. Die Neue Hütte wurde im Jahre 1950 unter Denkmalschutz gestellt – und an einem denkwürdigen Tag eröffnete das Museum: am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR, und zugleich aus heutiger Sicht, dem Vorabend der letzten großen Deindustrialisierung in Thüringen.

Gut zu wissen

Technisches Museum Neue Hütte, Neue Hütte 1, 98574 Schmalkalden, www.hochofenmuseum.de, Tel. +49 (0)3683 403018. Öffnungszeiten: Apr. – Okt. von Mi. – So. 10 bis 17 Uhr; Nov. – Mrz. von Mi. – Fr. 10 bis 16 Uhr und So. 12 bis 16 Uhr. Anreise: Bahnhof Schmalkalden, Regionalbahn, dann 4km zu Fuß oder mit dem Taxi.

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Alte Liebe rostet nicht – Roheisen aus der Neuen Hütte Schmalkalden 50.749390, 10.470070 Neue Hütte 1, 98574, Schmalkalden, Deutschland (Routenplaner)