von Gastautorin Ursula Füchsel

Die Autorin ist Vorsitzende der Ortsgruppe Suhl des Rennsteigvereins 1896 e.V. und Redakteurin der Vereinszeitschrift »Mareile«:

Rennsteige waren die Schnellverbindungen der Vergangenheit, die vor allem der Überbringung von ­Nachrichten dienten. Sie verbanden die Handelsstädte auf direktem Wege und verliefen überwiegend auf schmalen Pfaden, hügelauf, hügelab und an Gebirgskämmen entlang.

Das Wandern als reines Vergnügen hat seinen Ursprung in der Zeit der Romantik. Ende des 19. Jahrhunderts machten es sich der Lehrer Ludwig Hertel zur Aufgabe einen Verein zu gründen, der sich der Erforschung und Erkundung, sowie der Kennzeichnung und Erwanderung des heute als »Rennsteig« bekannten Höhenweges des Thüringer Waldes widmete. So wurde der Rennsteigverein 1896 im Forsthaus Weidmannsheil bei Steinbach am Wald gegründet. Der von Hertel anfangs handschriftlich verfasste Zirkularbrief »Mareile« trug den Namen der Förstertochter.

Die Runsten – so nennt man den Gang über den gesamten Rennsteig – waren von Anfang an wichtige Veranstaltungen im Vereinsleben. Man besprach Wegeführungen, vermittelte die Geschichte der Grenzen und Grenzsteine und zelebrierte schlicht das Miteinander der Wanderer auf dem Rennsteig bei den »Sippungen«, was Versammlungen während der Runsten waren. Vereinseigene Rituale, wie der Runstgesang wurden nach Erprobung etabliert und im Jahre 1900 auch ein eigener Gruß – »Gut Runst«:

Gut Runst, Gut Runst, Gut Runst,
oh lebe fort auf edle Art,
du herrlich- schöne, du schöne Rennsteigfahrt!
Gut Runst!

Der Mauerbau 1961 unterbrach die wissenschaftliche Erforschung des Rennsteigs für lange Zeit. In der DDR war der Rennsteigverein, wie viele andere Vereine, verboten. Außerdem überquerte der Weg ja theoretisch insgesamt sechsmal die innerdeutsche Grenze. Erst nach Mauerfall und Wiedervereinigung war es wieder möglich, den Rennsteig als Ganzes zu begehen, Pfingsten 1991 fand die erste Runst seit 49 Jahren statt.

Durch den Kontakt von Wanderfreunden aus Franken und der nun ehemaligen DDR bildeten sich schnell neue Ortsgruppen in der Nähe des Rennsteigs. Die Unsrige wurde am 13. Juli 1990 gegründet. Unser Sommerfest auf der herrlichen Wiese vor unserer Vereinshütte findet jedes Jahr um dieses Jubiläum herum statt. Und natürlich führen wir, neben etwa 75 anderen Wanderungen, auch jedes Jahr zwei Runsten durch.

Gut zu wissen

Berg- und Wanderhütte der Ortsgruppe Suhl des Rennsteigvereines 1896 e.V., am Steinhorst zwischen Lauterkopf und Schusterswiese, www.rennsteigverein-suhl.de/huette.html, Tel. +49 (0)3681 804404 (Ursula Füchsel). Die »Schur« (Bewirtung) übernehmen ehrenamtliche Vereinsmitglieder. Öffnungszeiten: So 9 bis 18 Uhr. Anreise: Die Hütte ist nur zu Fuß erreichbar, Wegbeschreibung auf der Website der Ortsgruppe.

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»Gut Runst!« Wandern mit Tradition auf dem Rennsteig 50.621874, 10.717978 Leitweg, 98528 Suhl (Routenplaner)