von Gastautor Hans-Jürgen Mutz

Der Autor arbeitet in der derzeit einzigen Knopffabrik in Schmölln und engagiert sich im Heimatverein der Stadt:

Auf 950 Jahre Ortsgeschichte und über 150 Jahre industrielle Knopfproduktion blicken die Schmöllner stolz zurück. Ihr Städtchen war mal Weltmarktführer in Sachen »Knopf«. 1861 gründete Herrmann Donath eine Steinnußfabrik. Dutzende Fabriken mit teils imposanten Klinkerfassaden und qualmenden Schornsteinen prägten vor 100 Jahren bis zur »Wende« das graubraune Stadtbild. Man meinte gar, es müsste halt so sein – Arbeit, Lohn und Brot für eine ganze Stadt hat seinen Preis.

Kommt man heute nach Schmölln, erscheint es endlich bunt, so bunt wie die Milliarden Knöpfe »Made in Schmölln«. Da aber das Wissen um deren Allgegenwart erhalten bleiben soll, markieren seit kurzem »Edelstahlknöpfe« im Fußweg eingelassen, die Produktionsstätten der Vergangenheit. 18 Knöpfe gilt es zu erwandern, unter anderem vor einem Altersheim oder neuen Wohnungen, aber auch an noch brachliegenden Wiesen mitten im Stadtgebiet. Aktuell gibt es nur noch eine Schmöllner Knopffabrik. Es fällt auch Einheimischen schwer sich das alte Stadtbild vorzustellen, so viele positive Veränderungen haben Schmölln verjüngt.

Das Knopf- und Regionalmuseum von Schmölln berichtet vom Unternehmertum und Arbeiterfleiß und von Knöpfen so vielfältig und formenvoll wie es vergangene Moden diktierten. Die Herstellungsgeschichte eines Alltagsproduktes, wie zum Beispiel ein Steinnußknopf aus der Frucht der südamerikanischen Taguapalme ist überraschend interessant: Angefangen von der Bearbeitung in der Abschlagtrommel, Sägerei, Dreherei, Löcherei, Farbe, Polierfass, Lackierung und Sortierung bis hin zur Kommissionierung und Auslieferung.

Doch nicht nur das »pflanzliche Elfenbein« der Steinnuß, auch Horn, Holz, Leder, Glas oder Kunststoff taugen als Werkstoff. Im Museum kann man verschiedenste Knöpfe – Materialien, Formen, Farben und Funktionen – in die Hand und in Augenschein nehmen. So werden auch die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge der Knopfproduktion ersichtlich. Es braucht Maschinen- und Werkzeugbau, chemische Zulieferungen und eine passende Infrastruktur für Verpackung und Versand. All das hatte die Stadt Schmölln zu bieten: Fleiß und Verstand für den »Knopf in deiner Hand«.

Gut zu wissen

Knopf- und Regionalmuseum, Sprottenanger 2, 04626 Schmölln, www.schmoelln.de, Tel. +49 (0)34491 76260. Öffnungszeiten: Fr. – So. 13 bis 16 Uhr (Sa. bis 18 Uhr). Individuelle Besichtigungen zu anderen Zeiten sind möglich. Hinweise und Broschüren zum Knopfweg sind im Museum erhältlich. Anreise: Bahnhof Schmölln, Regionalbahn, von da ca. 10 Min. zu Fuß.

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Fleiß und Verstand für den »Knopf in deiner Hand« 50.895290, 12.344558 Sprottenanger 2, 04626 Schmölln (Routenplaner)