von Gastautor Matthias Mann

Matthias Mann lebt in Jena, war viele Jahre im Stadtrat tätig und arbeitet für das ThINK – Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz:

Wenn in Jena vom Planetarium die Rede ist, denkt man verständlicherweise zunächst an den Projektor, der unseren Sternenhimmel an die Kuppel als Projektionsfläche wirft. Neben dem Fixsternhimmel werden auch die Sonne, der Mond und die Planeten, die ihre Lage gegenüber dem Fixsternhimmel natürlich ständig ändern, an die Kuppel projiziert.
Durch Walter Bauersfeld wurde 1919 die grundlegende technische Lösung für ein solches Planetariumsgerät mit optomechanischer Lichtprojektion gefunden und 1924 erstmals in Geräten für das Deutsche Museum in München und in einer provisorischen Kuppel auf dem Dach des Jenaer Zeiss-Werks eingesetzt. Noch im gleichen Jahr begann man allerdings mit dem Bau eines Planetariums mit 25-Meter-Kuppel im damaligen Prinzessinengarten nur wenige Schritte nördlich des Jenaer Stadtzentrums.

Die Entwürfe zu diesem Planetariumsneubau, der dann am 18. Juli 1926 eingeweiht wurde, stammten von dem Architektenbüro Schreiter & Schlag, die in Jena eine Vielzahl von Bauvorhaben verwirklichten und so das Stadtbild mit prägten. Hervorzuheben sind ihre für die damalige Zeit recht innovativen baulichen Lösungen durch die Verarbeitung von Stahlbeton. Dies gilt auch für die Kuppel des Jenaer Planetariums. Hier wurden erstmals neue Berechnungs- und Fertigungsmethoden angewandt. Man spricht bei dieser Konstruktion von Kuppeln oder Schalen aus Beton, die ihre Stabilität vor allem ihrer Form verdanken. Die Planetariumskuppel besteht im Kern aus einem Stabnetzwerk. Die Betonschale selbst ist nur sechs Zentimeter stark und überbrückt damit problemlos die 25 Meter Spannweite: eine für die damalige Zeit beachtliche technische Leistung, die durch den Konstrukteur Franz Dischinger erarbeitet und durch die Firma Dykerhoff & Widmann AG ausgeführt wurde.

Diese Kuppel ist das bauliche Kernstück des Planetariums. Das Gebäude hat in den Jahrzehnten seines Bestehens einige Umbauten erfahren und natürlich hat sich auch die Projektionstechnik weiterentwickelt. Waren die ersten Planetarien herausragende Erzeugnisse der optisch-mechanischen Industrie, hat beginnend mit den 1980er-Jahren des 20. Jahrhunderts immer mehr die Computertechnik Einzug gehalten.

Gut zu wissen

Zeiss-Planetarium Jena, Am Planetarium 5, 07743 Jena, www.planetarium-jena.de, Tel.:+49(0)3641 885488. Kassenöffnungszeiten: Di. – Do. 10 bis 13.30 Uhr u. 19 bis 20 Uhr, Fr. 11 bis 12 Uhr u. 19 bis 20 Uhr, Sa. 14 bis 20 Uhr, So. 13 bis18 Uhr. Anreise: Haltestelle Spittelplatz, Straßenbahn (Linien 1, 4, 34).