1820 wurde in Rottenburg am Neckar der erste Hopfen angebaut und damit ein Boom des “grünen Goldes” ausgelöst. 200 Jahre später kann man auf dem “Schwäbischen Bierkultur-Radweg” mit dem Velo durch diese untergegangene Hopfenlandschaft mit ihren auch heute noch zahlreichen Bierbrauereien radeln.

Kulturradführer Wolfgang Carl stammt aus Nagold im Schwarzwald und hatte schon von klein auf einen Bezug zum Hopfen: “Als Kind half ich meiner Tante im Gasthaus Bier der Baisinger Löwenbrauerei zu verkaufen, aus der auch meine Großmutter stammte. Während des Studiums jobbte ich in einer Tübinger Szenenkneipe  und etablierte dort das “Schneider Weisse“ im Ausschank  in der Unistadt.  Da ich wusste, dass zwischen Tübingen und Nagold noch einige Brauereien existieren und vor rund 100 Jahren im Gebiet Rottenburg-Herrenberg-Weil der Stadt das untergegangene Hopfenanbaugebiet “RHW” lag, war nach einigen Archivbesuchen und Erkundungsfahrten mit dem Fahrrad der “Schwäbische Bierkulturradweg” schnell entworfen.”

Die fünf- bis sechsstündige Tour beginnt an Deutschlands höchst gelegenem Hopfengarten im Nagolder Stadtteil Hochdorf. Er gehört zur 1656 gegründeten “Kronenbrauerei”, welche aktuell zu den zwölf besten und nachhaltigsten deutschen Brauereien zählt – ausgezeichnet mit dem Slow-Brewing-Siegel und mit mehrfachen Bundespreisen für ihre Biere. Auf der Strecke mit ehemals 24 Braustätten entdecken Teilnehmer der Tour noch weitere fünf Brauereien. Jede erzählt ihre eigene Geschichte. Die alte “Baisinger Biermanufaktur” hat mit ihrem “Löwenbräu” auf der BierBeviale beim “European Beer Star” schon etliche Preise abgeräumt.

Ein weiterer Höhepunkt auf der Tour: Im Heimatmuseum des ehemaligen Hopfendorfs Remmingsheim, wo selbst der Frisör vor 100 Jahren einen Hopfengarten besaß, haben Ehrenamtliche alles zusammen getragen, was man damals zum Hopfenabau brauchte. Hier erzählt der Leiter, Herr Neuendorf, an Hand der ausgestellten Objekte und Bilder wie  Hopfendarre, Schluchtenstecker, Simrikörbe, Bierkrüge, Hopfenwieden, Hopfenmesser und Hopfenmärkle die Geschichte des “grünen Goldes” und des Hopfenzopfelns im Ort. Allein schon der Hopfengeruch aus der Darre versetzt die Besucher in eine andere Welt.

In der früheren Hopfenmetropole Rottenburg begannen die nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Tübingen vertriebenen Jesuiten bis 1780 mit dem Hopfenanbau und einer Bierbrauerei im heutigen bischöflichen Ordinariat, später auch im nahegelegenen Schloss in Bühl. Ausgestattet mit einem Sinn für das Parktische erkannten sie, dass die Weine der hiesigen Lage nicht die besten waren und stellten alsbald um auf Bier („um durch den Biergenuss Krankheiten fernhalten zu können“).

Was ist heute vom Bier- und Hopfenboom noch zu sehen? Von den 18 Brauereien, die es 1890 gab, kann man heutzutage noch Hopfengaubenhäuser, Gasthausbrauereien, Bierkeller, Hopfenmarkt und Hopfentrocknungshäuser, Malzdörren, eine Hopfengasse und ehemalige Brauereien besichtigen.

Gut zu wissen

Wolfgang Carl bietet Radtouren rund um das Thema Hopfen und Bier an: “Als erster deutscher Hopfen- und Bierkulturradführer fahre ich Radrundtouren im R-H-W-Gebiet auf mehreren Strecken zwischen Albvorland, Neckar und Oberem Gäu. Dabei entdecke ich immer auch neue Dinge. Erst neulich zum Beispiel ein Bild von einem 1936 selbstgebauten Traktor in einem Hopfengarten im Ort Kayh bei Herrenberg. Wenn man mich fragt, was ich mache, antworte ich: Lost  hope landscape bicycle tour!”

Kontaktdaten: bier&bike@online.de oder unter Tel: 0176 40716511, weitere Informationen: www.bier-hopfentour.de

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Auf den Spuren des “Grünen Goldes” – Hopfenanbau und Bierbrauen zwischen Neckar und Schönbuch 48.494316, 8.721641 Rottweiler Str. 16-20, 72202 Nagold (Routenplaner)