Zugegeben, der Weg hinauf auf die Halde Hoheward ist nicht wirklich idyllisch. Aber was will man auch von einer Halde erwarten – fast 152 Meter ragt dieser Koloss aus Abraum und Schlacken empor, mitten im Ruhrgebiet zwischen Gelsenkirchen, Herne und Herten.

Oben auf dem Plateau der Halde gibt es einen Obelisken, der als Sonnenuhr fungiert, sowie ein sogenanntes Horizontobservatorium. Beides möchte ich mir anschauen und stelle meinen Ausflug zur Halde unter das Motto »Zeit und Raum erfahren«. Ich starte die Tour am Aufstieg an der Zeche Ewald. Die Zeche ist längst stillgelegt und beherbergt heute unter anderem das Besucherzentrum des »Landschaftsparks Hoheward« wie das gesamte Haldenareal genannt wird. Auf dem Gelände stehen noch drei zeittypische Fördergerüste. Mir geht ein wenig das Herz auf, strahlen die drei stummen Zeugen doch eine gewisse Würde aus. Als wüssten sie, was sie geleistet haben zusammen mit den Menschen, den Bergleuten, die hier unter Tage gingen. Vergangenheit – die Zechenanlage im Rücken wende ich mich der Gegenwart zu und mache mich auf den Weg nach oben.

Der breite und ein wenig triste Weg wird gelegentlich unterbrochen von sogenannten »Balkonen«, Aussichtsplattformen, die schöne Fernblicke ermöglichen – immerhin. Aber was ist dort oben? Ich erspähe die filigranen Stahlbögen des Observatoriums. Über einen Serpentinenweg gehe ich hinauf und komme dem Gebilde immer näher, bis ich schließlich oben auf dem Haldendach angekommen bin – atemlos und überwältigt. Das Observatorium beruht auf dem gleichen Prinzip wie die Steinkreise im englischen Stonehenge. Die 43 Meter hohen Bögen stellen Meridian und Himmelsäquator dar und sind so zur Sonne ausgerichtet, dass der Lauf der Gestirne und damit die Zeit bestimmt werden kann. Wie das funktioniert verstehe ich nicht, obwohl Infostelen das genau erklären. Aber das ist egal, dieser Platz übt eine Faszination aus. Warum ist das so? Vielleicht spürt man hier besonders, dass wir Menschen Teil eines großen Kosmos sind? Ich gehe noch etwas weiter und komme zum Obelisken mit der Sonnenuhr. Wundervoll macht er sich im glänzenden Edelstahl in dem als Runde gestalten Platz aus. Ich fühle mich wie auf einer Wolke, weit kann ich blicken, das ganze Ruhrgebiet breitet sich unter mir aus. Es ist still – Raum und Zeit verschmelzen heute hier oben zu einer Einheit.

Gut zu wissen

Besucherzentrum Hoheward, Werner-Heisenberg-Straße 14, 45699 Herten, www.landschaftspark-hoheward.de. Einen Geländeplan mit allen Wegen, Parkplätzen etc. gibt es im Besucherzentrum oder als Download auf der Webseite. Anreise: Haltestelle Herten, Bergwerk Ewald 1/2, Bus (SB27) oder Haltestelle Herten, Gelsenkirchener Straße, Bus (210).

Wer die Halde mit dem Hund erkunden möchte, findet eine Tourenbeschreibung in »Vier Pfoten auf Tour«, erschienen im J.P. Bachem Verlag. ISBN 978-3-7616-3157-7, 14,95 Euro

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Zum Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward 51.572885, 7.145387 Werner-Heisenberg-Straße 14, 45699 Herten (Routenplaner)