Von Gastautorin Anita Ihle

Anita Ihle ist Expertin für Frankenstein und Ingolstadt – ihre Stadtführungen verbinden beides und sind gut besucht:

Um die »Die Story hinter der Story« geht es in meinem Stadtspaziergang. Den Plot liefert die Geschichte um Viktor Frankenstein und sein Monstrum. Jawohl »Geschichte«, alles darin ist frei erfunden … und doch wieder nicht! Auch dass das Ganze in Ingolstadt spielt, ist weithin unbekannt und erklärt die neugierig gespannten Gesichter auf meinen Touren zu den realen Orten der Handlung, wie der Hohen Schule, der Alten Anatomie oder dem Taschenturm, wo einst der Henker lebte und Frankenstein Leichenteile kaufte.

Die Autorin des Romans »Frankenstein oder Der moderne Prometheus«, die 18-jährige Mary verbringt den verregnet stürmischen Sommer 1816 am Genfersee mit ihrem Liebhaber Percy Shelley, den sie kurze Zeit später heiraten wird, und seinem berühmten Dichterfreund Lord Byron. Man langweilt sich wohl, so verlegen sich die Feriengäste aufs Geschichtenvorlesen und Schreiben. Ein Alptraum soll es gewesen sein, der Mary zum Roman inspirierte. Alles Weitere ist Literaturgeschichte. Das Buch, wie es 1818 erscheint und später die überarbeitete Fassung mit »Happy End«, so richtig verstehen kann man es nur, wenn – und davon berichte ich meinen Gästen während der Stadtführung – die tragische Lebensgeschichte von Mary Shelley bekannt ist. Sie war eine der gebildetsten Frauen im damaligen England, Frankenstein ist ein Stück weit ihre Lebensgeschichte. Den Schauerroman veröffentlicht sie fürs Erste anonym, als Unverheiratete mit Kind. Nicht anders war das zu dieser Zeit vorstellbar. Ingolstadt hat sie nie besucht, genauso wenig eine Universität. Der »Makel« eine Frau zu sein, haftete ihr an. So beruhen viele Details in der Geschichte, über die altehrwürdige Universität und das studentische Leben, auf Percys Erzählungen und umfangreichster Lektüre – Aufklärung, Revolution, Anatomie, Elektrizität. Sie litt an den Erinnerungen an ihr verstorbenes erstes Kind und an ihrem Vater – das Motiv »Liebesentzug« zieht sich durch die ganze Frankensteinerzählung.

Was bleibt nun von Mary Shelley und 200 Jahren Frankenstein? Frauen studieren und sind Literatinnen. Doch können uns heute die Wissenschaften mit Natur und Technik versöhnen? Es sollte nachdenklich stimmen, dass uns heute Mary Shelleys Horrorfantasie geradezu bescheiden anmutet gegen das, was real in den Laboren passiert.

Gut zu wissen

Hohe Schule, Goldknopfgasse 7, 85049 Ingolstadt. Die Hohe Schule war die älteste Landesuniversität Bayerns, Dr. Frankenstein ging hier (fiktiv) ein und aus. Führungen mit Anita Ihle bitte bei Ingolstadt Tourismus buchen – Tel.: +49 (0) 841 305 3030, E-Mail: info@ingolstadt-tourismus.de

Dieser Text ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Ingolstadt Tourismus und Kongress GmbH

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»Die Geister die ich rief … « – mit Frankenstein durch Ingolstadt 48.763067, 11.421174 Hohe Schule, Goldknopfgasse 7, 85049 Ingolstadt, Deutschland (Routenplaner)