»Autobahn der Freiheit« wurde die A2 nach Warschau getauft. Der Name bezieht sich auf die Ereignisse von 1989. Nur einen Steinwurf vom Grenzübergang Świecko entfernt befand sich während des Zweiten Weltkriegs das »Arbeitserziehungslager« Schwetig, dessen Häftlinge beim Autobahnbau eingesetzt wurden. Zu sehen ist davon nur noch wenig. Matthias Diefenbach aus Słubice hat die Geschichte des Ortes erforscht.

Wie muss man sich das Lager von damals vorstellen?
Wie ein Konzentrationslager, doppelt umzäunt mit frei laufenden Schäferhunden dazwischen, mit Scharfschützen auf Wachtürmen, mit überbelegten Holzbaracken, unzureichender Verpflegung in schlechterer Qualität als Schweinefutter, zwölfstündigen Schwerst­arbeitseinsätzen, stundenlangen Appellen in dünner Bekleidung und Holzschuhen. Das Lager war größer als es die 1977 angelegte Gedenkanlage vermuten lässt. Es lag an der einzigen Straße nach Frankfurt, die heute den Radweg darstellt.

Wurde das Lager extra gebaut, um Arbeitskräfte für den Autobahnbau zu haben?
Ja, und es gehörte sogar bis zum Todesmarsch von 1.600 Gefangenen am 31.1.1945 der Reichsautobahndirektion.

Wer waren die Lagerinsassen?
Überwiegend ausländische Zwangsarbeiter im Raum Frankfurt, die irgendwie polizeiauffällig wurden, zum Beispiel durch Fluchtversuche. Oder weil Arbeitgeber oder andere Denunzianten sie meldeten, sei es wegen »Verletzung von Arbeitspflichten«, »Bummelei« oder »Aufsässigkeit« oder wegen Verstößen gegen die Ausländer-Erlasse. Die Lagereinweisung erfolgte praktisch ohne Ermittlung oder Anhörung.

Schwetig war kein Lager der SS. Wer war verantwortlich für das »Arbeitserziehungslager«?
Einweisung und Bewachung der Häftlinge unterlag der Frankfurter Polizei. Im Lager herrschte Willkür. Oft gab es nach der Arbeit noch Schläge und »Sportspiele« — regelmäßig mit Toten. Wenn ein Häftling das sechs bis acht Wochen überlebte, schickte man ihn überraschend an seinen vorherigen Arbeitsplatz zurück — erzogen, sich nun jedem Unrecht zu fügen. Überlebende berichteten, dass sie dann wie Skelette aussahen. »Nach Schwetig kommen« war ein Schreckensbegriff in der ganzen Region, auch unter Deutschen. 1944 war der Soziologe Ralf Dahrendorf als Schüler hier inhaftiert.

Gut zu wissen

Die Gedenkanlage befindet sich bei Świecko unmittelbar südlich der Autobahnbrücke und der Grenzanlage am polnischen Oder-­Neiße-Radweg. Weitere Informationen über Matthias Diefenbach: www.heimatreise.eu.

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Zwangsarbeiter und Reichsautobahn 52.304038, 14.592220 Świecko, Polen (Routenplaner)