Als Brandenburgerin, die nach Wuppertal gezogen ist, musste ich mich mit den vielen Schornsteinen und Industriegebäuden in meiner Umgebung erst einmal anfreunden. Im Bergischen Land sind viele bereits stillgelegt und werden von dichten Wäldern umspielt. Heute aber wage ich mich ins Ruhrgebiet, wo Schornsteine nach wie vor im Dienste der Schwerindustrie qualmen.

Mein Ziel ist der Alsumer Berg im Duisburger Norden, eine bewaldete 50 Meter hochragende Erhebung direkt am Rhein. Seine Geschichte ist traurig: Einst befand sich an dieser Stelle das Dorf Alsum. Sein kleiner Hafen wurde 1926 bei Hochwasser überflutet und daraufhin zugeschüttet. Im Zweiten Weltkrieg dann wurde der Ort durch Bombenangriffe stark beschädigt. Außerdem führten die Schächte der nahe gelegenen Kohlebergwerke dazu, dass der Boden immer weiter einsank – sodass die Stadt Duisburg im Jahr 1954 entschied, das Dorf zu evakuieren. Die restlichen Häuser wurden abgerissen, die Fläche wurde in eine Mülldeponie für Kriegsschutt umgewandelt. Bedächtig besteige ich den heute begrünten Hügel und habe ein bisschen das Gefühl, auf versunkenen Dächern und Köpfen herumzutrampeln.

Das Positive dieser Geschichte ist, dass man von hier oben einen einzigartigen Panoramablick auf die umliegende Industrielandschaft hat. Ich blicke vom höchsten Punkt aus nach Norden, wo sich direkt vor mir ein unappetitliches, aber doch irgendwie faszinierendes Geflecht aus Rohren, Schienen, Türmen und Gerüsten entfaltet. Das ist die Kokerei des Eisenhüttenwerkes Schwelgern. Hier wird in speziellen Öfen Koks für die Herstellung von Roheisen produziert. Plötzlich wölbt sich aus einem kastenförmigen Turm eine riesige weiße Dampfwolke in den Himmel. Das muss der Löschturm sein! Sobald der fertige Koks mit Sauerstoff in Verbindung kommt, muss er sofort mit Wasser abgelöscht werden, wenn er nicht verbrennen soll. Dabei entsteht diese gewaltige Wasserdampfwolke.

Nachdem ich dieses Spektakel eine Minute lang beobachtet habe, lasse ich den Blick nach links zum Rhein schweifen. Auch im Hintergrund erkenne ich die Silhouetten weiterer Kraftwerke. Von einem zweiten Aussichtspunkt schaue ich nach Westen, wo sich scheinbar endlos die flache Rheinebene erstreckt, im Vordergrund schippert ein Ausflugsdampfer vorbei. Als ich zum Parkplatz laufe, weht eine würzige Grillnote zu mir herüber. Am Ufer haben sich mehrere Familien zum Nachmittagsbarbecue niedergelassen.

Gut zu wissen

Alsumer Berg, Alsumer Straße, 47166 Duisburg. Unmittelbar unterhalb des Berges befindet sich der Fahrradknotenpunkt 22; hier treffen sich u.a. der Ruhrtal-Radweg und die Route der Industriekultur per Rad. Anreise: Am besten mit dem Rad, da die am nächsten gelegene Haltestelle Duisburg Wolfstraße 30 Min. Gehzeit über die Alsumer Straße erfordert, Parkmöglichkeit am Alsumer Steig.

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Ein verschüttetes Dorf, Koks und der Rhein – auf dem Alsumer Berg im Duisburger Norden 51.496882, 6.725521 Alsumer Steig, Duisburg, Deutschland (Routenplaner)