Die Sonne steht tief über dem Duisburger Landschaftspark. Scharf zeichnen sich die Silhouetten historischer Schornsteine und Industriegebäude vom Himmel ab. Im Eingangsbereich des Parks tummeln sich Einheimische und Touristen, im »Imbiss am Hochofen« fließen Bier und Currysauce. Ich bin zur öffentlichen Fackelführung verabredet. Unser Guide, ein illustrer Typ mit Vollbart, gibt uns zunächst ein paar Grundinfos. Wir befinden uns auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerkes. Von 1901 bis 1985 wurde hier erst mit fünf, zuletzt nur noch mit einem Hochofen Roheisen produziert. In den 90er-Jahren wurde das Werksgelände zu einem Landschaftspark umgestaltet.

Schon beginnen wir den Aufstieg zur Aussichtsplattform am Hochofen 5, der heute kalt und harmlos die Streicheleinheiten der Besucher duldet. Der Blick von der Plattform ist spektakulär. Eine dicke ehemalige Gasleitung verläuft über eine weite, teilweise bewaldete Fläche bis zum Eisenhütten- und Stahlwerk Schwelgern, das bedrohlich den Horizont dominiert. Neben mir zwängen sich zwei junge Männer mit Foto-Stativen an das Geländer. Die Kulisse hier ist so einzigartig, dass es sogar regelmäßige Foto-Workshops gibt.

Wieder unten auf festem Grund beginnt der zweite Teil der Führung. Mit Fackeln geht es zunächst hinein in die Eingeweide der Hochofenanlage, anschließend schlängeln wir uns an der Rückseite auf einem Gittersteg entlang. Der Guide deutet auf unsere Füße, unter denen in mehreren Metern Tiefe in einer rechteckigen Grube junge Bäume sprießen. Die Ablagerungen aus Schlacke, Erzresten und Koksstaub, so lerne ich, haben verschiedene Bodenmilieus geschaffen, die eine außergewöhnlich vielfältige Flora und Fauna hervorbringen. Im fahlen Fackelschein sehen die Büsche unter mir zwar alle gleich aus, aber ich glaube unserem charmanten Führer gerne jedes Wort.

Weiter geht es. Das alte Hüttenwerk offenbart immer mehr Wunder: Der ehemalige Gasometer beinhaltet jetzt ein 15 Meter tiefes Taucherbecken. Dahinten in der Ecke befindet sich die am tiefsten gelegene Hütte des deutschen Alpenvereins, an den Wänden der Erzbunkeranlage meine ich eine Kletterwand zu erkennen. Ein Freilichtkino gibt es auch. Heute Abend gibt es hier allerdings kein Event außer der täglichen Lichtinstallation, die das Gerippe des erloschenen Hüttenwerks in bunte Farben taucht. Mein nächster Besuch dann bei Tageslicht, verspreche ich mir, und blase meine Fackel aus.

Gut zu wissen

Landschaftspark Duisburg-Nord, Emscherstraße 71, 47137 Duisburg, www.landschaftspark.de. Öffnungszeiten: Der Park kann ganzjährig und zu jeder Tageszeit kostenlos besucht werden. Tauchen im Gasometer: www.tauchrevier-gasometer.de; Sommer-Freilichtkino: www.stadtwerke-sommerkino.de; Klettergarten des Alpenvereins: www.dav-duisburg.de/klettergarten.html. Anreise: Haltestelle Landschaftspark Nord, Straßenbahn (Linie 903).

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Ein pensioniertes Eisenhüttenwerk lädt ein – der Landschaftspark Duisburg-Nord 51.480767, 6.783555 Emscherstraße 71, 47137 Duisburg, Deutschland (Routenplaner)