»Natur pur« heißt eine meiner Lieblingswanderungen. Ich assoziiere sie mit Leichtigkeit und das nicht nur, weil sie ganz ohne Steigung auskommt. Auf 10 Kilometern führt sie einmal durch die vom Wasser geprägte Landschaft der Urdenbacher Kämpe und erfreut dabei meine Sinne mit immer wieder neuen Eindrücken. Der Kopf wird frei – wie schön ist es gerade hier und jetzt!

Die Kämpe ist ein alter Rheinmäanderbogen. Vor rund 700 Jahren floss hier noch der Hauptstrom. Bei einem Hochwasser im Jahre 1374 änderte er seinen Verlauf, der alte Rheinarm verlandete. Auch heute noch tritt der Fluss hier regelmäßig über die Ufer und überschwemmt die tiefer liegenden Regionen der Kämpe. Im Zentrum befindet sich Haus Bürgel, ein mittelalterlicher Gutshof und altes Römerkastell. Von dort starte ich an einem sonnigen Septembertag die Wanderung. Dabei folge ich im Uhrzeigersinn immer dem grünen Emblem der Tour. Sie führt mich zunächst durch den Auenwald mit mächtigen Eschen, Eichen und Ulmen. Auf einem Wiesenpfad stapfe ich später direkt entlang des Rheins. Der Wind weht mir ins Gesicht und raschelt in den Blättern der Weidenbäume – schön, dieses Gefühl von Weite und Freiheit. Die schräg stehende Sonne taucht alles in ein besonders schönes und intensives Licht.

Dann ein Szenenwechsel, ich verlasse die Aue an der Rheinfähre und wandere nun entlang von Feldern und Streuobstwiesen, dazwischen weiden Schafe und Pferde. Eine Landschaft wie früher … fast ein bisschen kitschig. Jetzt im Spätsommer hängen die reifen Früchte prall an den Bäumen und ich möchte mir im Vorbeigehen einen Apfel schnappen. Über die Straße Baumberger Weg stößt die Route dann auf den Altrheinarm. Ein stilles Gewässer, mit schilfbewachsenem Ufer und von Bäumen umstanden. Ein Dschungel, wunderbar urwüchsig. So anders als der reißende Strom. Ich muss mich trennen von dem Stück unberührter Natur, denn die Route leitet mich rechts auf einen Pfad zu den Bürgeler Wiesen. Diese regelmäßig überfluteten artenreichen Heuwiesen bestechen durch ihre Blütenpracht. Um diese Jahreszeit wächst hier die Herbstzeitlose in großer Zahl. Diese giftige Pflanze sieht dem Krokus sehr ähnlich und zaubert damit noch etwas Frühlingstimmung herbei. Beflügelt wandere ich die letzten Kilometer der Schlussetappe, die mich nochmal an den Altrheinarm und dann wieder zu Haus Bürgel zurückführt.

Gut zu wissen

Start und Ziel der 10 km langen Wanderung: Haus Bürgel, Urdenbacher Weg, 40789 Monheim, www.auenblicke.de. Informationen zur Urdenbacher Kämpe und weiteren Wanderungen auf der Webseite. Anreise: Haltestelle Haus Bürgel, Bus ab Bahnhof Düsseldorf-Benrath (788).

Wer mehr über die Herbstzeitlose und zur Udenbacher Kämpe erfahren möchte, der lese nach in »Blütenrausch im Rheinland«, erschienen im J.P. Bachem Verlag. ISBN 978-3-7616-3124-9, 14,95 Euro.

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Eine Spätsommerwanderung in der Urdenbacher Kämpe 51.122262, 6.876980 Urdenbacher Weg, 40789 Monheim (Routenplaner)