Auf den Fahrrädern unterwegs im Münsterland haben wir uns in einem Wald verirrt. Keine Schilder weit und breit, nur ein Labyrinth von schmalen Asphaltstraßen zwischen herrlichen Laubbäumen. Auf einer Kreuzung bleibe ich stehen und sehe mich um. Auf einem verwaschenen Holzschild steht etwas von einem Schloss. Und stehen da hinten nicht Leute auf der Straße? Vergessen ist der Heimweg, ich muss mir das näher anschauen.

Die Leute auf der Straße entpuppen sich als Mädchen in einer Art Schuluniform. Linkerhand ist ein voller Parkplatz. Daneben eine Art hölzernes Portal, das einen schmalen Kanal überspannt. Und dahinter ein Schloss, umgeben von einer gemähten Wiese und einem großzügigen Wassergraben. Runde Türme und eine verspielte, dennoch düstere Fassade blicken auf uns herab. Sie ist im Stil der Lipperenaissance gestaltet, wie ich heute weiß. So habe ich mir immer Hogwarts in Harry Potter vorgestellt. Das Wasserschloss heißt Haus Assen und seine ältesten Teile gehen zurück auf das vierzehnte Jahrhundert.

Die Mädchen vor der Tür sind allerdings keine Zauberschülerinnen, sondern nehmen an einer Jugendfreizeit statt, die von der katholischen Ordensgemeinschaft »Diener Jesu und Mariens« (SJM) veranstaltet wird. Der 1988 aus der Katholischen Pfadfinderschaft Europas hervorgegangene Orden besitzt das Wasserschloss seit 1997. Es war ein Geschenk zum Zwecke der Jugendarbeit der einstmaligen westfälischen Grafenfamilie von Galen, die Haus Assen seit Mitte des 17. Jahrhunderts bewohnte.

Bis zum Jahr 2016 betrieben die SJM hier tatsächlich ein Internat, allerdings zuletzt nur mit zehn Schülern, weshalb es geschlossen wurde. Heute organisiert der Orden hier regelmäßig spirituelle Veranstaltungen und öffnet das Haus für Interessierte.

Nach unserer Entdeckung des Schlosses wollten wir natürlich wiederkommen und haben uns für einen Sonntagsbrunch angemeldet. Dieser findet in der großen Halle des Schlosses statt und die religiöse Gesinnung spielt absolut keine Rolle. Wir haben sogar eine kostenlose Schlossführung bekommen und konnten das Gelände und die farbenfrohe Kapelle aus dem 19. Jahrhundert erkunden.

Gut zu wissen

Haus Assen, Assenweg 1, 59510 Lippetal, www.haus-assen.de, Tel. +49 2527 919990. Führungen mit Voranmeldung. Es finden zahlreiche Veranstaltungen statt, Buchungen über die Webseite. Anreise: Lippborg Quabbemühle, Lippetal, Bus (Linie 335).

[mapsmarker marker="128"]